Faszination Vibe Coding
Autor: Andre Kranke I Lesezeit: 5 Minuten
27/02/2026
Software-Entwicklung mit KI statt manuellem Programmieren: Die enormen Potenziale des Hype-Themas „Vibe Coding“ faszinieren aktuell die unterschiedlichen Stakeholder der Digitalisierung in Unternehmen aller Branchen. Wer hier mitdiskutieren will, sollte sich aber elementarer Unterschiede zwischen beiden Programmierwelten bewusst sein.
Quick Read
Milliarden von Software-Codezeilen wurden in den vergangenen Jahrzehnten kreiert, um digitale Visionen und Konzepte Wirklichkeit werden zu lassen. Auch in der Logistik sind viele kleine und größere IT-Systeme und Programme entstanden, ohne die eine effiziente Supply Chain heute nicht mehr vorstellbar wäre.
In vielen Unternehmen ist dabei eine Zweiteilung zu finden: Auf der einen Seite Menschen, die aus Anwendersicht digitale Lösungen und Innovationen konzipieren und in Auftrag geben. Also Prozess- und Produktexperten, die eine klare Vorstellung davon haben, wie digitale Lösungen im operativen Alltag einen Nutzen erbringen können. Und auf der anderen Seite Menschen, die solche Ideen und Konzepte in eine IT-Architektur und konkrete Programmzeilen übersetzen, also Software-Entwickler und -Architekten. Nur wenn beide Gruppen eng vernetzt miteinander zusammenarbeiten, können derzeit intelligente digitale Lösungen entstehen.
Neue Ansätze durch KI
Künstliche Intelligenz und vor allem Large Language Models (LLM) rütteln nun an diesem seit Jahrzehnten bewährten Erfolgsmodell. „Vibe Coding“ soll die Softwareentwicklung revolutionieren. Das Versprechen: Jeder kann ab sofort Computerprogramme erschaffen, und das ganz ohne Programmierfähigkeiten. Wie bei jedem neuen Hype-Thema sind die Erwartungen auch an Vibe Coding extrem hoch. Nicht alle Hoffnungen und Versprechen werden sich in der Praxis erfüllen. Aber, das Potenzial ist groß und wir werden diese Zukunftstechnologie mehr und mehr bei allen Stakeholdern der Digitalisierung im Einsatz sehen.
Wir werden diese Zukunftstechnologie mehr und mehr bei allen Stakeholdern der Digitalisierung im Einsatz sehen.
Intuitives Erstellen von einfachen Prototypen
Vibe Coding wird oftmals als Überbegriff für alle Arten von KI-unterstützter und KI-geführter Software-Programmierung verwendet. Eigentlich beschreibt Vibe Coding aber eine Form der Software-Entwicklung, bei der ein „Entwickler“ keine Ahnung mehr von Programmiersprachen und Programm-Codes haben muss. Mittels spezieller AI-Tools wie Bolt.new oder Lovable beschreibt er mittels gut formulierter textbasierter Prompts das gewünschte Ergebnis. Zum Beispiel eine Webseite mit bestimmten Eingabefeldern, Datenbankzugriffen und Ausgabeformaten. Er bekommt sofort ein anwendbares Ergebnis, das schrittweise verbessert und optimiert werden kann. Man gibt sich einem mehr intuitiven Gestaltungsprozess (Vibe) hin, so hat es KI-Forscher Andrej Karpathy erstmals im Februar 2025 in einem Internet-Post beschrieben und den Begriff des „Vibe Codings“ erschaffen.
Schon heute funktioniert diese Art des Programmierens erstaunlich gut, wenn es darum geht, Ideen schnell umzusetzen und erste einfache Prototypen zu entwickeln. Prozess- und Produktexperten benötigen nun in den ersten Phasen einer Software-Entwicklung nicht mehr unbedingt einen Entwickler. Keine Lösung ist Vibe Coding derzeit aber für komplexere Prototypen oder sogar das Erschaffen von Programmen im Unternehmensumfeld. Denn der von der KI erzeugte Code ist in der Regel schlecht strukturiert, ineffizient und enthält nicht selten Sicherheitslücken. Vibe Coding im Umfeld einer hoch performanten Unternehmensarchitektur ist momentan nicht vorstellbar.
Im Rahmen der Serie „Zukunftslabor“ werden Ergebnisse aus dem Bereich Corporate Research & Development präsentiert, die in Zusammenarbeit mit Fachbereichen und Niederlassungen sowie dem DACHSER Enterprise Lab am Fraunhofer IML und weiteren Forschungs- und Technologiepartnern entstanden sind.
Eigentlich beschreibt Vibe Coding eine Form der Software-Entwicklung, bei der ein „Entwickler“ keine Ahnung mehr von Programmiersprachen und Programm-Codes haben muss.
KI-Agenten als nächste Evolutionsstufe
In diesen Bereich der Software-Entwicklung könnte aber in Zukunft das „Agentic Coding“ die Art des Programmierens revolutionieren. Anstatt Aufgaben wie das Erstellen von Benutzeroberflächen, in sich geschlossene Programmlogiken und deren Dokumentation selbst durchzuführen, nutzt ein erfahrener Software-Entwickler spezielle KI-Agenten, die diese Aufgaben übernehmen und den Zeitaufwand des Programmierens deutlich reduzieren könnten. Herausforderungen gibt es aber noch beim Erstellen umfangreicher Änderungen und komplexer Funktionen. Nicht selten verändern die KI-Agenten dabei auch ungewollt andere Programmteile und bestehende Abläufe. Bekannte Tools fürs Agentic Coding sind Cursor oder Claude Code. Zukünftig werden solche „Coding Agenten“ auch im gesamten Softwarelebenszyklus, von der Entwicklung über den Betrieb bis hin zur Fehleranalyse und -behebung, unterstützen können.
Alle diese Technologien sind schon heute mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen verfügbar und setzen dabei unterschiedliche Fähigkeiten der Anwender voraus.
Unterstützung für Entwickler
Am meisten genutzt wird künstliche Intelligenz derzeit beim Programmieren mittels Tools, die dem Entwickler beim Schreiben der Code-Zeilen assistieren. Bestimmte Code-Abschnitte werden von der KI vorgeschlagen und vom Entwickler angepasst und freigegeben. Oder die KI überprüft Code-Abschnitte und schlägt dem Entwickler Verbesserungen vor. Auch für IT-Architekturplanungen kann die KI gezielt Vorschläge erarbeiten und Überprüfungen vornehmen. Dennoch bedarf es bei dieser Art des KI-assistierten Programmierens weiterhin des Know-hows eines erfahrenen Software-Entwicklers.
Der Überbegriff Vibe Coding ist sicherlich mehr als ein kurzfristiger Hype. Sehr schnell werden die unterschiedlichen innovativen KI-Tools Einzug halten in der gesamten Kette der Software-Entwicklung und bestehende Strukturen verändern. Wer über Vibe Coding spricht, sollte sich aber im Klaren sein, ob wirklich „Vibe Coding“ gemeint ist, oder ob von „Agentic Coding“ oder „AI-assisted Coding“ gesprochen wird.
Alle diese Technologien sind schon heute mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen verfügbar und setzen dabei unterschiedliche Fähigkeiten der Anwender voraus. Spannend ist, wie sich diese einzelnen Facetten der KI-Programmierung weiterentwickeln werden und wie sich dies auf die verschiedenen Berufsbilder der Digitalisierung auswirken wird.






