20 Jahre Aufbruch – und der Blick nach vorn

Drei Länder, drei Perspektiven: ein Gespräch über zwei Jahrzehnte Entwicklung und die Rolle Mitteleuropas im Netzwerk von DACHSER

Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 8 Minuten

27/10/2026

Vor rund 20 Jahren eröffnete DACHSER erstmals Niederlassungen in Polen, Tschechien und der Slowakei – drei Engagements in einer Region, die bald eine zentrale Rolle in den europäischen Lieferketten spielen sollte. Ein- und Ausblicke zu einer Entwicklung, die Logistikgeschichte geschrieben hat, im Gespräch mit Jarosław Witkowski, Managing Director DACHSER Poland, Jan Pihar, Managing Director DACHSER Czech Republic und Roman Stoličný, Managing Director Road Logistics South East Europe.

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Ein Jubiläum ist ein Grund zu feiern und zu einer Bestandsaufnahme. Wenn Sie heute auf Ihr Land und dessen Rolle im europäischen Netzwerk von DACHSER blicken: Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren am stärksten verändert?



Roman Stoličný: Wir haben Schritt für Schritt gelernt, als aktiver Teil des Netzwerks zu arbeiten und Verantwortung zu tragen. Das war für unsere Entwicklung als Landesorganisation entscheidend. Der EU-Beitritt der Slowakei hat vieles erleichtert – aber aus Potenzialen werden erst dann echte Vorteile, wenn Prozesse, Systeme und Menschen zusammenfinden. Genau diesen Weg sind wir gegangen.

Jan Pihar: Für die Tschechische Republik war der Weg ins DACHSER-Netzwerk ein schrittweiser Aufbau von Vertrauen, Prozessen und Qualität. Heute profitieren wir davon, dass unsere Organisation komplett in das europäische Stückgutnetz eingebunden ist. Für unsere Kunden zählt nicht, wo eine Landesgrenze verläuft, sondern ob die Sendung zuverlässig, transparent und planbar ihr Ziel erreicht.


Jarosław Witkowski: Eine solche große Veränderungsdynamik spiegelte sich von Anfang an auch bei uns in Polen wider.  Ich denke, ich kann hier für uns alle sprechen: Der konsequente Aufbau von Strukturen in den einzelnen Ländern brachte Vorteile für jedes einzelne Land, aber auch für das gesamte DACHSER-Netzwerk. Trotz all der Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Herausforderungen, die es auf diesem Weg zu meistern galt.

Für unsere Kunden zählt nicht, wo eine Landesgrenze verläuft, sondern ob die Sendung zuverlässig, transparent und planbar ihr Ziel erreicht.
Jan Pihar, Managing Director DACHSER Czech Republic

Welche Anforderungen stellen Ihre Kunden heute an Logistikdienstleister? Und wie haben diese sich im Laufe der Jahre verändert?

Roman Stoličný: Damals wie heute galt und gilt: Die Kunden erwarten verlässliche Logistikdienstleistungen mit maximaler Transparenz und Prozesssicherheit. Daher lag der eigentliche Mehrwert nicht allein im Markteintritt von DACHSER, sondern in der konsequenten Integration der Länder in ein einheitliches Netzwerk. Entscheidend war dabei die Einführung standardisierter IT-Systeme, wie zum Beispiel DOMINO und MIKADO, die Integration in die entargo-Produktwelt, der Aufbau einheitlicher Leistungsstandards – und die Entwicklung getakteter, grenzüberschreitender Verkehre. Die Etablierung des Eurohubs in Bratislava im Jahr 2007 als zentrale Drehscheibe für Verkehre in der Region verbesserte dabei Laufzeiten und Netzwerkqualität deutlich. Auf diesem Fundament kann heute Fortschritt, etwa im Bereich von Digitalisierung, Prozessoptimierung und Nachhaltigkeit, seine Wirkung entfalten.

Jan Pihar: Logistik bedeutet, Veränderung nicht nur zu begleiten, sondern sie aktiv mitzugestalten. Wenn unsere Kunden immer höhere Anforderungen an ihre eigenen Prozesse stellen, müssen wir uns als Logistikdienstleister entsprechend anpassen und Technologien und Prozessoptimierungen bereitstellen, die es ihnen ermöglichen, schnell und bestmöglich auf schwankende Nachfrage zu reagieren. Wir erleben heute eine deutlich höhere Marktvolatilität mit täglichen, monatlichen oder jährlichen Schwankungen im zweistelligen Bereich. Bei diesen Herausforderungen wollen wir unsere Kunden aktiv unterstützen.

Roman Stoličný: Gut, dass die digitale Transformation in der Logistik bei DACHSER weit vorangeschritten ist und weiter voranschreitet. Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz sind heute entscheidende Themen, die sich in unseren Arbeitsweisen und unserem Denken bei DACHSER fortlaufend wiederfinden.

Jarosław Witkowski: Transformation und Veränderung gehören für uns zur eigenen Geschichte. Deshalb sehen wir Transformation nicht zuerst als Risiko, sondern als Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln. Wir kommen schließlich aus einer Zeit, die, wie kaum eine zweite, von wirtschaftlicher Transformation, Marktöffnung und langfristigen Investitionen geprägt war. Durch den Aufbau leistungsfähiger Strukturen und die Integration neuer Technologien ist es uns als DACHSER-Ländern gelungen, Kunden von der Leistungsfähigkeit des Logistikangebots zu überzeugen.

Roman Stoličný, Managing Director Road Logistics South East Europe, Jan Pihar, Managing Director DACHSER Czech Republic und Jarosław Witkowski, Managing Director DACHSER Poland (v.l.)

Was heißt all dies für die Rolle Ihrer Länder im DACHSER-Netzwerk?

Jan Pihar: Wir verstehen uns und unsere Landesorganisation nicht als isolierte nationale Einheit, sondern als Baustein eines paneuropäischen Netzwerks. In Tschechien bereiten heute 100 tägliche Exportverbindungen unseren heimischen Herstellern den Zugang zu Märkten in Europa und darüber hinaus – und werden so zum Schlüssel für weiteres Wachstum. Hier merkt man abermals, wie stark aus nationalen Strukturen ein gemeinsames Netzwerk geworden ist.

Roman Stoličný: Netzwerkintegration und Kundenfokus gehen bei DACHSER ja immer schon Hand in Hand. Was wir immer wieder aus vielen Gesprächen mitnehmen: Eine unserer größten Stärken und einer der wichtigsten Werte, die DACHSER vom Wettbewerb unterscheiden, ist die Servicequalität. Kunden erwarten heute einen konsistenten, zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Service entlang der gesamten Lieferkette – unabhängig davon, ob sie in der Slowakei oder Rumänien, der Schweiz, Skandinavien oder Südeuropa tätig sind. Das Serviceniveau muss überall gleich sein. Kunden erwarten außerdem von uns eine proaktive Kommunikation und schnelle Lösungen, wenn Probleme auftreten.

Jarosław Witkowski: Das ist übrigens auch mit ein Grund dafür, dass wir die Feierlichkeiten zum Jubiläum in Polen zu unseren Kunden gebracht haben und nicht umgekehrt. Eine große Mehrheit unserer Kunden ist bereits seit vielen Jahren bei uns. Eine Roadshow hat uns durch das ganze Land geführt, und dabei haben wir bei unseren „Business Breakfasts“ mehr als 400 bestehende und potenzielle Kunden getroffen. Wir haben darüber gesprochen, was wir in 20 Jahren gemeinsam aufgebaut haben: ein immer dichter werdendes Netzwerk, das polnische Unternehmen mit ganz Europa verbindet. Es bietet Kunden kürzere Laufzeiten und getaktete Verkehre mit einem Partner, der sowohl den lokalen als auch den europäischen Markt versteht. Eine klare Botschaft haben wir aus diesen Gesprächen mitgenommen: Was unsere Kunden besonders schätzen, ist Stabilität und die Gewissheit, ihr Wachstum auch in den kommenden Jahren gemeinsam mit uns planen zu können.

Was unsere Kunden besonders schätzen, ist Stabilität und die Gewissheit, ihr Wachstum auch in den kommenden Jahren gemeinsam mit uns planen zu können.
Jarosław Witkowski, Managing Director DACHSER Poland

Logistics is People Business heißt es bei DACHSER. Welche Rolle spielen die Mitarbeitenden für den Erfolg in Ihren Ländern?

Roman Stoličný: Eine absolut entscheidende. Die 20-jährige Geschichte von DACHSER Slowakei lässt sich nicht vordergründig nur an Gebäuden, Erfolgen und Wachstum messen. Hinter jedem Meilenstein stehen Menschen. Sie sorgen dafür, dass sich DACHSER auch bei dieser Größe noch immer wie ein Familienunternehmen anfühlt. Gegenseitiger Respekt und Vertrauen haben die Servicequalität und die Innovationskraft möglich gemacht, die wir beim 20-jährigen Jubiläum von DACHSER Slowakei gefeiert haben und weiterhin feiern.

Jan Pihar: Unsere Mitarbeitenden sind Trägerinnen und Träger des DACHSER-Know-hows und helfen aktiv dabei, Prozesse direkt auch in neu gegründeten und übernommenen Niederlassungen umzusetzen – bei uns in Tschechien wie auch im Rahmen von PMI-Projekten bei DACHSER in ganz Europa.

Jarosław Witkowski: Dem stimme ich hundert Prozent zu: Hinter jedem Meilenstein stehen reale Menschen. Im Rahmen unserer Feierlichkeiten in Polen konnten wir insgesamt 16 Mitarbeitende für 20 Jahre Betriebszugehörigkeit auszeichnen. Zudem durften wir Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern begrüßen, was einmal mehr zeigt, dass wir ein gemeinsames internationales Team sind. Ich bin überzeugt, dass Erfahrung, Verlässlichkeit und der Wille, sich weiterzuentwickeln, DACHSER auch künftig ausmachen werden.

Hinter jedem Meilenstein stehen Menschen.
Roman Stoličný, Managing Director Road Logistics South East Europe

Blicken wir in genau diese Zukunft: Polen, Tschechien und die Slowakei gehören heute zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen Europas. Und das in einer Welt, die sich aktuell stark und in einer so zuvor nicht gekannten Geschwindigkeit verändert. Welche Chancen sehen Sie aktuell für DACHSERin Ihrem Markt?

Jarosław Witkowski: Polen gehört heute zu den größten Volkswirtschaften der Europäischen Union. Das Land ist einer der wichtigsten Produktionsstandorte in Europa und eine bedeutende Logistikdrehscheibe für Waren aus aller Welt. Daher steckt aus meiner Sicht viel Potenzial und eine attraktive, nachhaltige Wachstumsperspektive, sowohl für unsere Kunden als auch für das gesamte Netzwerk von DACHSER.

Jan Pihar: Das unterschreibe ich auch für die Tschechische Republik. Eine besondere Stärke von DACHSER sehe ich darüber hinaus in dem konsequenten Weg, den unser Unternehmen in Richtung Innovation und Digitalisierung geht. Das DACHSER-Ziel, 2030 der digitalisierteste Logistikdienstleister zu sein, haben auch wir fest im Blick – für unsere Kunden, unsere Mitarbeitenden und das ganze DACHSER-Netzwerk.

Roman Stoličný: Wir sehen, dass Unternehmen ihre Lieferketten neu bewerten. Es geht nicht mehr nur darum, möglichst kostengünstig zu produzieren, sondern darum, Lieferfähigkeit und Nähe zu den Absatzmärkten zu sichern. Für Mittel- und Osteuropa eröffnet das zusätzliche Chancen – als Produktionsregion, als Logistikdrehscheibe und als Bindeglied zwischen europäischen und globalen Warenströmen.

Marcus Schick

Redaktion DACHSER magazin

Marcus Schick

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