Als Europa zusammenwuchs: 20 Jahre DACHSER in Osteuropa
Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 9 Minuten
01/10/2026
Vor 20 Jahren begann DACHSER mit dem Aufbau eigener Landesorganisationen in Polen, Tschechien und der Slowakei. Die Expansion war weit mehr als die Erschließung neuer Märkte – sie wurde zu einem Beispiel dafür, wie das Zusammenspiel von europäischer Integration, unternehmerischem Weitblick und langfristigen Investitionen gemeinsam Wachstum ermöglicht.
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Feuerwerk, Laser- und Lichtshows, Tanz, knallende Sektkorken und allenthalben ausgelassene Freude: Um Mitternacht zum 1. Mai 2004 gingen in vielen Städten Europas Zehntausende auf die Straße, um die bis heute größte Erweiterung der EU zu feiern. Den verbindenden Soundtrack dazu bildete die „Ode an die Freude“, die Hymne der Europäischen Union. Ein großer Rahmen für eine Epochenscheide für Europa und die mittel- und osteuropäischen Staaten, die vor 1990 noch jenseits des Eisernen Vorhangs lagen – darunter Polen, die Tschechische Republik und die Slowakei.
Die größte Einzelerweiterung in der Geschichte der EU öffnete neue Märkte, harmonisierte regulatorische Rahmenbedingungen und intensivierte den grenzüberschreitenden Handel. Für viele Unternehmen begann damit ein lange für nicht möglich gehaltenes, neues Kapitel europäischer Zusammenarbeit und der Verbindung von Menschen und Märkten. Auch für DACHSER.
Schon lange vor der EU-Osterweiterung war bei DACHSER klar, dass ein Zusammenrücken der Länder in einem vereinten Europa die Logistik auf dem Kontinent nachhaltig verändern würde. Denn wo Warenströme wachsen und Lieferketten internationaler werden, entstehen neue Anforderungen an Transport, Vernetzung und zuverlässige Logistikdienstleistungen. So war die Expansion nach Mittel- und Osteuropa ab 2006 für DACHSER keine kurzfristige Reaktion auf die politische Weichenstellung am 1. Mai 2004, sondern das Ergebnis einer strategischen Vorbereitung, die schon Jahre zuvor begonnen hatte.

Der Osten war längst im Blick
Bereits 1997/98 hatte die damalige DACHSER Geschäftsführung Mittel- und Osteuropa als „Logistikmarkt der Zukunft“ ausgemacht. Internationale Industrie- und Handelsunternehmen – etwa aus der Baumarktbranche – verlagerten in dieser Zeit verstärkt Produktionskapazitäten, erschlossen neue Absatzmärkte und bauten ihre Lieferketten in Richtung Osten aus. „Viele dieser Kunden erwarteten dort dieselbe Logistikqualität, die sie aus Westeuropa kannten“, erklärt Bernhard Simon, Chairman of the Supervisory Board und von 2005 bis 2020 CEO von DACHSER. Damals hätte es sehr geholfen, dass man sich entlang der Liefer- und Beschaffungsketten schon länger persönlich gekannt und geschätzt hätte.
DACHSER habe zunächst mit Partnerstrukturen, Pilotprojekten und kundengetriebenen Initiativen reagiert. „Ich war damals selbst oft in den aufstrebenden osteuropäischen Ländern, habe viele Gespräche geführt und Patenschaften übernommen. Die Aufbruchstimmung und die Begeisterung, etwas Neues aufzubauen und Teil des großen paneuropäischen Logistiknetzwerks von DACHSER zu werden, war förmlich mit Händen zu greifen“, erinnert sich Bernhard Simon. Es seien die zahlreichen persönlichen Begegnungen und ein Reichtum an praktischen Erfahrungen gewesen, die DACHSER in diesen transformativen Zeiten geholfen hätten, Märkte, Kundenanforderungen und regionale Besonderheiten kennenzulernen – und ein Expansionsmodell zu entwickeln, das ab 2005 mit der Gründung von DACHSER Landesgesellschaften in Polen, Tschechien und der Slowakei systematisch umgesetzt und mit Leben erfüllt wurde.
„Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung in Mittel- und Osteuropa früh absehbar gewesen war und alle Zeichen auf weitere Marktöffnung und nachhaltiges Wachstum standen, ging damit nicht automatisch wirtschaftlicher Erfolg einher“, ordnet DACHSER CEO Burkhard Eling diese Zeitenwende rückblickend ein. „Die Grundlagen dafür zu schaffen und aus roten Zahlen schwarze zu machen, brauchte Geduld und Beharrlichkeit des Familienunternehmens im Aufbau neuer Strukturen. Und ein klares Ziel vor Augen: Damals wie heute war und ist für DACHSER entscheidend, nicht nur neue Märkte zu erschließen, sondern sie von Anfang an als Teil eines gemeinsamen Netzwerks zu denken.“
Den entscheidenden Schlüssel dafür schafft das Mindset der Mitarbeitenden. „In Veränderungen keine Bedrohung, sondern vielmehr das Eröffnen von Möglichkeitsräumen zu sehen, ist nicht jedem in die Wiege gelegt“, sagt Bernhard Simon. Es hätte daher auch der gezielten Unterstützung von außen bedurft, um Menschen von der Idee unternehmerischen Denkens und Handelns bei DACHSER zu überzeugen und sie dafür zu begeistern. „Dass die Integration der mittel- und osteuropäischen Länder in das Netzwerk von DACHSER zu einer Erfolgsgeschichte werden konnte, wäre nicht möglich gewesen ohne das herausragende Engagement aller Mitarbeitenden und die hohe Identifikation mit dem gemeinsam beschrittenen Weg.“
In der zehnten Ausgabe des DACHSER Podcasts Network Talk ist Roman Stoličný, Managing Director Road Logistics South East Europe bei DACHSER, zu Gast. Im Gespräch mit Podcast-Host Charlotte Goldstone blickt er auf die Entwicklung von DACHSER in der Slowakei und spricht darüber, was sich in der gesamten Region Südosteuropa seit den 1990er Jahren in Bezug auf Wirtschaft und Logistik verändert hat.
Dass die Integration der mittel- und osteuropäischen Länder in das Netzwerk von DACHSER zu einer Erfolgsgeschichte werden konnte, wäre nicht möglich gewesen ohne das herausragende Engagement aller Mitarbeitenden und die hohe Identifikation mit dem gemeinsam beschrittenen Weg.

Vom Markteintritt zur Netzwerkstrategie
Die Voraussetzung dafür schuf die allgemeine Aufbruchstimmung, die mit der EU-Osterweiterung einhergegangen war. Für Bernhard Simon konnte damit die langfristig angelegte Strategie eines systematischen Netzwerkauf- und -ausbaus an Dynamik gewinnen. „DACHSER war damals auf Kurs und hielt Kurs.“ Zum Beispiel in Polen: Nach verschiedenen Partnerkonstellationen und Projekten bildeten dort die Strukturen und Aktivitäten des französischen Logistikdienstleisters Graveleau, der im Jahr 1999 von DACHSER übernommen wurde, die Grundlage für den Aufbau der eigenen polnischen Landesgesellschaft. Die offizielle Umfirmierung auf den Namen DACHSER Sp. z o.o. erfolgte am 25. Januar 2006. Damit übernahm DACHSER formell die Verantwortung und Systemführerschaft für vier Niederlassungen in Polen: Strykow/Lodz, Warschau, Posen/Gadki und Sosnowiec. Wie in Polen setzte DACHSER auch in Tschechien und der Slowakei zunächst auf bestehende Partnerstrukturen und Beteiligungen, um daraus klare, von DACHSER geführte Organisationen aufzubauen. In Tschechien arbeitete DACHSER bis zum Frühjahr 2004 mit Drusped-Lagermax zusammen. Danach wurde mit E.S.T. ein neuer strategischer Partner gewonnen: Zunächst beteiligte sich DACHSER an dem tschechischen Logistikdienstleister, 2006 entstand daraus das Joint Venture DACHSER E.S.T. mit einer 80-prozentigen Beteiligung von DACHSER. In den folgenden Jahren wurde die Gesellschaft weiter in das Netzwerk von DACHSER integriert und firmierte schließlich als DACHSER Czech Republic a.s.
Die Slowakei wiederum wurde über die 1999 in Ungarn als Joint Venture gegründete Liegl & DACHSER Organisation und weitere Beteiligungen systematisch Schritt für Schritt in das Netzwerk eingebunden. Im Oktober 2004 hatte Liegl & DACHSER Ungarn 80 Prozent des slowakischen Speditionsunternehmens Lindbergh erworben. Am 10. Januar 2005 ging Lindbergh & DACHSER dann operativ an den Start und schuf die Voraussetzung für die spätere Umfirmierung zu DACHSER Slovakia.
Auch wenn Polen, Tschechien und die Slowakei jeweils eigene Wege in die DACHSER Welt gegangen waren, war doch allen drei Entwicklungen ein klarer Grundsatz gemeinsam: „Markterschließung bedeutete für DACHSER nicht, möglichst schnell Flagge zu zeigen. Entscheidend war, lokale Erfahrung mit den Qualitätsstandards eines internationalen Netzwerks zu verbinden“, erklärt Alexander Tonn, COO Road Logistics bei DACHSER.
Markterschließung bedeutete für DACHSER nicht, möglichst schnell Flagge zu zeigen. Entscheidend war, lokale Erfahrung mit den Qualitätsstandards eines internationalen Netzwerks zu verbinden.
Ein gemeinsames Europa braucht gemeinsame Standards
„Der eigentliche Erfolg“, so Tonn, „zeigte sich nicht im Markteintritt selbst, sondern in der Integration der neuen Landesgesellschaften in ein gemeinsames europäisches Netzwerk und in die einheitliche entargo-Produktwelt.“ Schritt für Schritt habe DACHSER dazu seine IT-Kernsysteme DOMINO und MIKADO eingeführt, standardisierte Prozesse etabliert und die Standorte in grenzüberschreitende Stückgutverkehre integriert. Mit dem Osteuropa-Hub in Bratislava entstand 2007 zudem eine zentrale Drehscheibe, die Laufzeiten verkürzte und die Vernetzung innerhalb der Region und nach Europa deutlich verbesserte.
„Aus zunächst eigenständigen Landesorganisationen wurden im Laufe der Jahre eng verzahnte Bestandteile eines paneuropäischen Netzwerks“, sagt Burkhard Eling. „Genau darin lag der eigentliche Mehrwert der Integration der neu hinzugekommenen Länder: Kunden konnten sich auf dieselben Qualitätsstandards verlassen – unabhängig davon, auf welcher Seite einer Landesgrenze sich ihre Waren gerade befanden.“

Wachstum braucht Ausdauer
Allerdings verlief der Aufbau keineswegs geradlinig. Gerade in Polen hatte DACHSER zunächst mit einer geringen Markenbekanntheit, einer teilweise noch unzureichenden Verkehrsinfrastruktur und intensivem Wettbewerb zu kämpfen. Hinzu kamen anspruchsvolle Integrationsprozesse, operative Verluste und die Notwendigkeit, Organisationsstrukturen mehrfach anzupassen.
„Nachhaltiges Wachstum und das Erschließen neuer Marktchancen verlangen weit mehr als eine Investitionsentscheidung. All dies erfordert Geduld, herausragende Managementleistung und die Bereitschaft, auch in schwierigen Phasen konsequent an einer langfristigen Strategie festzuhalten“, erklärt Burkhard Eling. Mit Programmen wie „MOBILE 2015“ habe DACHSER ab Ende der 2000er-Jahre den Schwerpunkt zunehmend auf Profitabilität, Netzwerkbalance und den systematischen Ausbau der Organisationen verlagert. Niederlassungen wurden erweitert, Kontraktlogistik aufgebaut sowie Vertriebs- und Managementstrukturen professionalisiert. Dies bildete schließlich den roten Faden für die Erfolgsstory in Mittel- und Osteuropa: Polen entwickelte sich nach mehreren Jahren der Konsolidierung zu einer dynamisch wachsenden Landesorganisation mit Vorbildfunktion in Sachen Qualität, und auch Tschechien und die Slowakei gewannen kontinuierlich an Größe und Bedeutung innerhalb des europäischen DACHSER Netzwerks.
Nachhaltiges Wachstum und das Erschließen neuer Marktchancen verlangen weit mehr als eine Investitionsentscheidung.
Ein Beispiel für gelebte europäische Integration
Heute sind Polen, Tschechien und die Slowakei längst selbstverständliche Bestandteile des europäischen DACHSER Netzwerks. Täglich verbinden grenzüberschreitende Verkehre Produktionsstandorte, Distributionszentren und Kunden in ganz Europa. Was Anfang der 2000er-Jahre als strategische Expansion in kleinen Schritten begann, ist mittlerweile eingespielter und intensiv gelebter logistischer Alltag.
Die Entwicklung zeigt zugleich, dass wirtschaftlicher Erfolg selten das Ergebnis einzelner Entscheidungen ist. „Offene Märkte schaffen Möglichkeiten. Nachhaltiges Wachstum entsteht jedoch erst dort, wo Unternehmen bereit sind, langfristig zu investieren, Verantwortung zu übernehmen und mit motivierten und kompetenten Mitarbeitenden unterschiedliche Märkte zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzuführen“, erklärt Burkhard Eling.
Die Geschichte von DACHSER in Polen, Tschechien und der Slowakei, so Eling, sei deshalb mehr als eine Jubiläumsgeschichte: „Sie ist ein Beispiel dafür, wie europäische Integration in der Praxis funktioniert – nicht als abstraktes politisches Konzept, sondern als tägliches Zusammenspiel von Menschen, Unternehmen und einem Netzwerk, das über Grenzen hinweg verbindet.“ Dies sei allemal ein guter Grund, in den jeweiligen Ländern gemeinsam mit Mitarbeitenden, Partnern und Kunden zu feiern – und dabei vielleicht auch noch ein weiteres Mal die „Ode an die Freude“ aufzulegen.






