Warum Forschung und KI für die Logistik immer wichtiger werden
Autor: Christian Auchter I Lesezeit: 6 Minuten I Aufmacher-Foto: Niklas Hesser
04/11/2026
Auf der Logistikkonferenz BVL Supply Chain CX in Berlin wurde kürzlich der von DACHSER unterstützte Wissenschaftspreis Logistik verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die neue Impulse für die Praxis geben. Warum Forschung für das Unternehmen eine wichtige Rolle spielt, wie Innovationen entstehen und welche Bedeutung Künstliche Intelligenz dabei hat, erklärt Stefan Hohm, Chief Development Officer (CDO) und Mitglied des Vorstands bei DACHSER, im Interview.
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Warum unterstützt DACHSER den Wissenschaftspreis Logistik?
Stefan Hohm: Der Wissenschaftspreis Logistik der Bundesvereinigung Logistik verbindet Themen, die für uns einen hohen Stellenwert haben: die praxisrelevante Forschung, Innovation sowie Nachwuchsförderung. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bekommen durch den Preis eine große, öffentlichkeitswirksame Bühne, um ihre herausragenden Arbeiten den Praktikern der Logistikbranche vorzustellen.
Wie wichtig der Praxisbezug beim Wissenschaftspreis ist, zeigt auch der diesjährige Gewinner. Timo Lehmann wurde für seine Forschung zur Leistungsbewertung automatisierter Lagersysteme mit mehreren Tiefen sowie zum Vergleich unterschiedlicher Betriebsstrategien ausgezeichnet. Seine Arbeit greift Fragen auf, die uns im Logistikalltag ständig beschäftigen: Mit welchen Konzepten können wir unsere Effizienz steigern und welche Technologie passt zu welcher Anforderung?
Die Wissenschaft kann bei solchen Fragen fundierte Entscheidungshilfen liefern. Deshalb ist die enge Kooperation mit der Forschung für DACHSER seit vielen Jahren Bestandteil unseres Innovationsprozesses.

Wie funktioniert Innovation bei DACHSER konkret?
S. Hohm: Durch den Bereich Corporate Research & Development, den wir bereits vor zehn Jahren bei DACHSER etabliert haben, sind wir in der Lage, relevante Technologie- und Trendthemen frühzeitig zu erkennen und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Das haben wir bereits bei zahlreichen Digitalisierungsthemen sowie bei der Elektromobilität und innovativen städtischen Belieferungskonzepten unter Beweis gestellt.
Neben unseren eigenen Kompetenzen setzen wir zudem auf enge Innovationspartnerschaften mit Technologieanbietern, Start-ups, wissenschaftlichen Instituten und natürlich mit unseren Kunden. Dabei haben wir nicht nur konkrete Lösungen für die Praxis im Blick, sondern schauen auch in die Zukunft: Welche relevanten Technologie- und Markttrends werden in fünf bis zehn Jahren Einfluss auf die Supply Chains unserer Kunden und unsere Rolle als Logistikdienstleister haben? Dabei geht es um viele Aspekte der Supply Chain Resilience. Zugleich müssen sowohl unsere Kunden als auch wir uns mit einem Megatrend auseinandersetzen, der in unterschiedlichen Ausprägungen zu tiefgreifenden Veränderungen in den Lieferketten führen wird: dem demografischen Wandel in vielen Gesellschaften. Die Logistik wird dabei vor allem durch den Fachkräftemangel, aber möglicherweise auch durch Verschiebungen bei Güterströmen und Informationsflüssen betroffen sein. Auf diese und andere Trends müssen wir uns heute vorbereiten, entsprechende Ideen für innovative Lösungen entwickeln und diese zum richtigen Zeitpunkt umsetzen.
Dabei setzen wir ganz bewusst auch auf das Wissen und die Ideen unserer Mitarbeitenden. Eine wichtige Rolle spielt unser Innovations- und Ideenmanagementprogramm Idea2net. Die besten Innovationen entstehen oft dort, wo unsere Mitarbeitenden täglich mit Kunden, Prozessen und Herausforderungen arbeiten. Mit Idea2net sammeln und bewerten wir Ideen aus dem gesamten Unternehmen und überführen sie in konkrete Projekte und Verbesserungen für unser Netzwerk.
Eine zentrale Rolle in unserem Innovationsmanagement spielt auch das DACHSER Enterprise Lab. Hier forschen Logistikspezialisten von DACHSER gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). Vielversprechende Ideen, auch aus Idea2net, werden hier weiterentwickelt und in konkrete Lösungen übersetzt, die in Pilotprojekten in die Realität überführt werden. Ein Ergebnis der Forschungspartnerschaft ist beispielsweise unser preisgekrönter digitaler Zwilling @ILO, der sich in der Praxis bewährt hat und nun sukzessive in den großen Niederlassungen ausgerollt wird.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit setzen wir auch in den kommenden Jahren fort und legen dabei einen besonderen Fokus auf digitale Lösungen, Künstliche Intelligenz und Robotik.
Von lokal emissionsfreier Innenstadtbelieferung und Smart Tracking Devices über KI-Anwendungen bis zum digitalen Zwilling @ILO: Ein Überblick zeigt, wie DACHSER in den vergangenen zehn Jahren neue Technologien erprobt und in die logistische Praxis überführt hat.
Innovationen in der Logistik: Highlights der letzten zehn Jahre >
KI verändert unsere Arbeit, Forschung und Innovation, ersetzt aber nicht die menschliche Fähigkeit, Zusammenhänge einzuordnen, Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Welche Rolle spielt KI bei Forschung und Innovation?
S. Hohm: Nach meiner Einschätzung war der Innovationsdruck noch nie so hoch wie heute – und das nicht nur in der Logistikbranche. Das große Potenzial der Künstlichen Intelligenz eröffnet neue Perspektiven und prägt die Innovationsagenda vieler Unternehmen. Umso wichtiger ist es, sich nicht von dieser Dynamik überholen zu lassen, sondern sie aktiv mitzugestalten. Wir fahren dabei als Unternehmen keine eigene KI-Strategie, sondern sehen KI als integralen Teil unserer Innovations- und Digitalisierungsstrategie. Mit unserem Innovationsmanagement haben wir gute Voraussetzungen, die Möglichkeiten von KI zu erforschen und für die Praxis nutzbar zu machen.
Konkret geht es aktuell darum, Agenten zu entwickeln und zum Einsatz zu bringen, die repetitive Aufgaben, zum Beispiel bei administrativen Prozessen, übernehmen können – sei es vollautomatisiert oder als Assistent, um manuelle Prozesse effizienter zu machen. Herausfordernd sind hierbei die Qualität der KI-Agenten-Outputs und die Kosten – denn jeder eingesetzte Token kostet Geld.
Bei all diesen Möglichkeiten spielen aber weiterhin die Menschen die entscheidende Rolle. Manchmal entsteht der Eindruck, KI solle uns das Denken abnehmen. Ich bin jedoch überzeugt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wir brauchen mehr denn je die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema, sauberes und methodisches Arbeiten, klar formulierte Prozesse und einen guten Blick für die Praxis. KI verändert unsere Arbeit, Forschung und Innovation, ersetzt aber nicht die menschliche Fähigkeit, Zusammenhänge einzuordnen, Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Gleichzeitig kann KI auch Freiräume für den menschlichen Innovationsgeist schaffen. Sie unterstützt uns dabei, Routineaufgaben zu reduzieren und mehr Zeit für neue Ideen, inspirierende Gedanken, kritisches Denken und Innovation zu gewinnen.






