Klimawandel: Ganzheitliche Hilfe für Kleinbauern in Indien
Autor: Christian Auchter I Lesezeit: 7 Minuten
29/10/2026
Im Rahmen ihrer Programmpartnerschaft unterstützen DACHSER und myclimate Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern dabei, die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen und langfristige Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Ein aktuelles Projekt fördert Kleinbauern im indischen Bundesstaat Maharashtra.
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Im Bezirk Ahilyanagar im indischen Bundesstaat Maharashtra machen sich die Folgen des Klimawandels immer stärker bemerkbar. Ein großer Teil der Region liegt im Regenschatten der Küstengebirge. Umso wichtiger ist der Monsun, der von Juni bis September Niederschläge bringt. Denn rund drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzflächen im Bundesstaat werden laut Regierungsangaben nicht bewässert und sind auf Regen angewiesen. Doch die Monsunniederschläge werden unregelmäßiger, der Grundwasserspiegel sinkt. Das erschwert den Ackerbau, führt zu Ernteausfällen und verschärft die Ernährungssituation der ohnehin armen Bevölkerung. Für die Familien in den Dörfern von Ahilyanagar wird es Jahr für Jahr schwieriger, ihre Äcker auskömmlich zu bewirtschaften. „Alles hängt vom Regen ab, und auch die Preise für chemischen Dünger sind in den letzten Jahren rasant gestiegen“, sagt Nils Hegel, Professional Expert Corporate Sustainability bei DACHSER, der das Projekt im Rahmen seiner Tätigkeit kürzlich besucht hat.
Und es gibt noch weitere Herausforderungen: Die Böden werden zunehmend schlechter. Zum Kochen kommt regelmäßig Brennholz zum Einsatz, das den Wäldern entnommen wird und Luftverschmutzung verursacht. Flüssiggas als Alternative wird für die Familien, auch aufgrund der aktuellen geopolitischen Entwicklungen, immer kostspieliger. Ihre Einkommensquellen sind meist auf Feldernte und Viehhaltung beschränkt. Für junge Menschen gibt es kaum andere Beschäftigungsmöglichkeiten.
Für die Familien in den Dörfern von Ahilyanagar wird es Jahr für Jahr schwieriger, ihre Äcker auskömmlich zu bewirtschaften.
Wie das Projekt Kleinbauern in Indien beim Umgang mit Klimafolgen unterstützt
Mit dieser komplexen Lage im Blick wird ein neues, langfristiges Projekt von der Klimaorganisation myclimate begleitet – unterstützt von DACHSER im Rahmen des Corporate Citizen+ Programms, das Nachhaltigkeits-, Sozial- und Klimaschutzaktivitäten des Logistikdienstleisters über die Unternehmensgrenzen hinaus bündelt. „Mit einem langfristigen und vor allem ganzheitlichen Ansatz wollen wir den Menschen vor Ort ganz konkrete Hilfestellungen geben, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Dazu gehören die Schaffung gesünderer Lebensbedingungen, eine nachhaltigere und produktivere Landwirtschaft sowie eine langfristig positive Entwicklung der Gemeinden“, erläutert Nils Hegel.
Über rund sechs Jahre werden miteinander verbundene Maßnahmen umgesetzt. Der Fokus liegt auf sauberer Kochenergie, klimaresilienter und regenerativer Landwirtschaft, Wasserbewirtschaftung, Bildungsangeboten und inklusiver Beteiligung. Verantwortlich vor Ort ist der lokale Partner SKG Sangha. Die indische gemeinnützige Organisation hat über 30 Jahre Erfahrung in der nachhaltigen ländlichen Entwicklung.
Das Indien-Projekt ist Teil des weltweiten gesellschaftlichen Engagements von DACHSER im Rahmen von Corporate Citizen+. Der aktuelle Jahresbericht dokumentiert Projekte in den Bereichen Klimaschutz, Bildung und soziale Entwicklung.

Biogas, Wassermanagement und klimaresiliente Landwirtschaft
Ein grundlegender Baustein ist die Nutzung von Biogas. 6.000 Haushalte mit eigenem Vieh erhalten Biogasanlagen. Zudem werden 20.000 verbesserte Herde bereitgestellt. Das Biogas kann als saubere Kochenergie eingesetzt werden. Weniger Feuerholz bedeutet weniger Luftverschmutzung, zudem muss weniger teures Flüssiggas zugekauft werden. Auch die Biogas-Gülle wird genutzt: Auf den Äckern ausgebracht, steigert sie deren Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit und senkt die Kosten der Bauern durch Einsparungen an chemischem Dünger. Alle Haushalte mit Biogasanlagen erhalten Schulungen zur korrekten Nutzung sowie eine enge Begleitung in den Folgejahren.
Die Landwirtschaft soll zudem durch Biokohle aus Ernterückständen klimaresilienter werden. Dafür werden 200 Grubenanlagen errichtet. Biokohle auf den Feldern speichert Wasser und Nährstoffe und verbessert die Bodenqualität. Zusätzlich entstehen Agroforstsysteme mit Mango, Papaya und Granatapfel für etwa 100 Haushalte. Sie unterstützen die Bewirtschaftung und können zusätzliches Einkommen schaffen.
Die Wasserversorgung bildet einen weiteren Schwerpunkt des Projekts. Viele Haushalte haben nur eingeschränkten Zugang zu Wasser, mit Folgen für Landwirtschaft, Hygiene und sanitäre Grundversorgung. Im Rahmen des Projekts werden etwa 200 mit Azolla-Algenfarnen bedeckte Teiche auf den Höfen gebaut, um Oberflächenwasser aufzufangen und natürlichen Stickstoffdünger zu erhalten. Hinzu kommen etwa 50 kommunale Trinkwassersysteme, Regenwassernutzungssysteme sowie der Bau von 50 neuen Schachtbrunnen und die Sanierung von 50 bestehenden Brunnen. Die Maßnahmen sollen die Wasserverfügbarkeit verbessern, Ernteausfälle verringern und die Gesundheit der lokalen Bevölkerung stärken.
Auch gegen eingeschränkte Ausbildungs- und Einkommensmöglichkeiten wird etwas getan. Neben Aufklärungskampagnen umfasst das Projekt Schulungen zum Bau von Biogasanlagen, zur Kompostierung und Biokohleproduktion, Qualifizierungen im Wasser- und Energiesystemmanagement sowie Schulungen für Frauen in Agroforstwirtschaft und Vermarktung. So sollen mindestens 50 Personen langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten finden.
74 %
der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Maharashtra werden nicht bewässert und sind auf die Niederschläge des Monsuns angewiesen.

Für DACHSER ist es besonders wichtig, Projekte zu unterstützen, die Klimaschutz mit konkreten Verbesserungen für die Menschen vor Ort verbinden.
Konkrete Wirkung für die Gemeinden
Im Vorfeld wurden die Rahmenbedingungen vor Ort untersucht und Familien in den beteiligten Dörfern befragt. Ihre Rückmeldungen zeigen, wie eng Klimafolgen, steigende Energiekosten und landwirtschaftliche Herausforderungen verbunden sind. „Unsere Ernteerträge hängen vom Regen ab“, berichtet Sevantha Popatarao, eine Bäuerin aus Mukindapur. Ein Teil ihrer Flächen könne bewässert werden, doch die Äcker für den Anbau von Sorgumhirse seien Trockenland und vom Regen abhängig. Zugleich steigen die Kosten für Kochenergie: „Wir geben etwa ein Viertel unseres Einkommens für Kochbrennstoff aus“, sagt sie. Biogasanlagen könnten für Familien mit eigenem Vieh eine Entlastung bringen.
Gerade diese Rückmeldungen zeigen, warum das Projekt nicht bei einer einzelnen Maßnahme ansetzt, sondern verschiedene Handlungsfelder verbindet. „Für DACHSER ist es besonders wichtig, Projekte zu unterstützen, die Klimaschutz mit konkreten Verbesserungen für die Menschen vor Ort verbinden“, erläutert Bernhard Simon, Vorsitzender des Verwaltungsrats bei DACHSER. „Genau deshalb überzeugt uns dieser ganzheitliche und integrierte Ansatz: Die Maßnahmen greifen ineinander – von sauberer Kochenergie und besserer Wasserbewirtschaftung über klimaresiliente Landwirtschaft bis hin zu Bildung und neuen Einkommensmöglichkeiten. So entsteht nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern eine langfristige Perspektive für die ländlichen Gemeinden im Bezirk Ahilyanagar.“






