„Chancen geben, Zukunft gestalten“ – Dialog zur Entwicklungsarbeit
Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 6 Minuten
22/04/2026
Seit 20 Jahren engagieren sich DACHSER und die Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes gemeinsam für Entwicklung und Chancengerechtigkeit im globalen Süden. Anlässlich dieses Jubiläums fand auf dem neuen DACHSER Network Campus in Kempten die Veranstaltung „Chancen geben, Zukunft gestalten: Impulse für das strategische Engagement in den Ländern des Globalen Südens“ statt.
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Vor Ort und im Livestream diskutierten rund 600 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft über die Rolle von Unternehmen in einer globalisierten Welt. Der Einladung von Bernhard Simon, Chairman of the Supervisory Board, und Burkhard Eling, CEO von DACHSER, waren die Vortragenden Dr. Gerd Müller, Generaldirektor der UNIDO, Dr. Wolfgang Stefinger, Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag sowie Joshua Hofert, Vorstand von Terre des Hommes, gefolgt. Durch die Veranstaltung führte Markus Raffler, Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung.
Lieferketten zwischen Globalisierung und Verantwortung
Globale Lieferketten prägen unseren Alltag, auf ihnen gründet unser wirtschaftliches Handeln. Gleichzeitig machen sie die enge Verbindung von wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung sichtbar. Auch und gerade in der Logistik. „Die Globalisierung ist die Triebfeder, das Schwungrad unseres Geschäfts“, sagt Bernhard Simon, Chairman of the Supervisory Board von DACHSER. „Daraus ergibt sich auch eine Verantwortung für jetzige und künftige Lebensbedingungen der Menschen weltweit.“
Der Diskurs finde heute in einer Zeit statt, die von wachsender Unsicherheit geprägt sei: sinkendes Vertrauen in Institutionen, gesellschaftliche Abschottung sowie der Rückzug öffentlicher Akteure aus der Entwicklungszusammenarbeit. Für Simon ergeben sich daraus neue Aufgaben für Unternehmen. DACHSER verstehe sich als „Corporate Citizen+“ – als global agierendes Unternehmen, das bewusst Verantwortung für vulnerable und marginalisierte Menschen übernimmt, Strukturen schafft und Chancengerechtigkeit ermöglicht.
Wie unternehmerisches Engagement konkret aussehen kann, zeigt die über 20-jährige Partnerschaft von DACHSER mit Terre des Hommes. Ausgehend von einem ersten Projekt nach der Tsunami Katastrophe im Indischen Ozean an Weihnachten 2004 entwickelte sich eine langfristige Zusammenarbeit mit Projekten in mehr als einem Dutzend Ländern, die DACHSER jährlich mit rund drei Millionen Euro unterstützt. Im Zentrum steht dabei ein Perspektivwechsel: weg von kurzfristiger Hilfe, hin zu nachhaltiger Entwicklung. „Wir bauen nicht einfach Schulen“, beschreibt Simon den Ansatz, „wir stärken Menschen darin, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“
Vor zwei Jahrzehnten begann DACHSER die Partnerschaft mit der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes. Bernhard Simon prägt diese Erfolgsgeschichte von Anfang an. Im Video-Interview beantwortet der Vorsitzende des Verwaltungsrats die häufigsten Fragen zur Zusammenarbeit.

Impulse aus Praxis und Politik
Joshua Hofert, Vorstand von Terre des Hommes, nannte drei Erfolgsfaktoren: Strategie statt PR, Partnerschaft auf Augenhöhe und langfristige Verlässlichkeit. Um eine „Erde der Menschlichkeit“ zu schaffen, müsse man auch mal „gegen den Strom“ schwimmen. Gerade in Zeiten sinkender Spenden und wachsender globaler Krisen sei dieses Prinzip wichtiger denn je.
Den globalen Rahmen ordnete Dr. Gerd Müller, Generaldirektor der UNIDO und ehemaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ein. Lieferketten seien nicht nur ökonomische Strukturen, sondern auch soziale Systeme, deren Gestaltung sich an Menschenwürde und Nachhaltigkeit orientieren müsse. Gleichzeitig böten die dynamischen Märkte des globalen Südens große Chancen – vorausgesetzt, Entwicklung werde partnerschaftlich gedacht.
Auch Dr. Wolfgang Stefinger, Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag unterstrich die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in einer zunehmend vernetzten Welt. Er wies auf die wachsende Rolle internationaler Kooperation in einer zunehmend fragmentierten Welt hin. Nationale Perspektiven reichten nicht mehr aus, um globale Herausforderungen zu bewältigen. „Alles hängt mit allem zusammen“, sagte er – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich.
Wie Entwicklungsarbeit konkret aussehen kann, zeigte ein Projektbeispiel aus Sambia. Hierzu stellten der junge DACHSER Projektmanager Christoph Meyer und Lara Kühn vom Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) in Sonthofen ein Leuchtturmprojekt von DACHSER und Terre des Hommes vor: Trash4Cash, ein erfolgreiches Startup aus der sambischen Metropole Livingstone, das aus einem 2019 initiierten Jugendaustausch hervorgegangen ist. Die Idee: recycelbaren Abfall sammeln, sortieren und als Wertstoff vermarkten. Mit viel Engagement und Unternehmergeist haben es die sambischen Unternehmen zu einem florierenden Unternehmen gebracht, das unlängst einen eigenen Wertstoffhof eröffnete und – u.a. mit Förderung der UNIDO – einen ersten Lastwagen in Betrieb nehmen konnte.
DACHSER und Terre des Hommes unterstützt Menschen in der Ukraine, die vom Krieg besonders hart getroffen wurden – vor allem Kinder, Jugendliche und Frauen. Bis 2029 werden rund 7.000 besonders schutzbedürftige Menschen durch psychosoziale Hilfe, wirtschaftliche Förderung und Friedensarbeit begleitet. Wir freuen uns, wenn Sie dieses Projekt mit einer privaten Spende unterstützen:
Terre des Hommes Deutschland e.V.
IBAN: DE65 2659 0025 1000 7008 04
BIC: GENODEF1OSV
Stichwort: DACHSER Ukraine

Zukunft gestalten durch Zusammenarbeit und Engagement
Abschließend stellte Thomas Hiemer, CFO von DACHSER, als Vertreter des Vorstands, die Verbindung zum lokal tief verwurzelten, aber dennoch global aktiven Logistikers DACHSER her: “Wir geben von hier aus Impulse in die Welt, und laden die Welt gleichzeitig zu uns nach Kempten ein. Der menschenzentrierte Ansatz des Unternehmens, der Anspruch, ein Corporate Citizen zu sein, leite sich aus der Identität des Familienunternehmens und den verbindlichen Unternehmenswerten ab, „Bodenständigkeit und Weltoffenheit vereinen – wir Allgäuer wissen, wie das geht”, so Hiemer. Diesem Prinzip folgend sei auch die aktuelle Erweiterung der Unternehmenszentrale, in der die Veranstaltung stattfand, bewusst partizipativ und als Ort der Begegnung und des Austauschs konzipiert.
Am Ende der Veranstaltung blieb die Erkenntnis, dass globale Entwicklung kein abstraktes Ziel ist, sondern das Ergebnis konkreten Handelns. Unternehmen können – und müssen – dabei eine aktive Rolle spielen. Markus Raffler, Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung und Moderator der Veranstaltung, brachte es auf den Punkt: „Wenn wirtschaftliches Handeln, gesellschaftliches Engagement und internationale Zusammenarbeit zusammenkommen, entsteht mehr als die Summe ihrer Teile. Es entsteht die Möglichkeit, Zukunft aktiv zu gestalten – und Chancen zu schaffen, die weit über das eigene Unternehmen hinausreichen.“






