Nearshoring dank neuer Gateways: Drei Fragen an M’hamed Chraïbi
Autor: Hendrik Durst I Lesezeit: 3 Minuten
18/03/2026
In der aktuellen Folge des DACHSER-Podcasts „Network Talk“ spricht M’hamed Chraïbi, Regional Managing Director Maghreb and Türkiye, über Veränderungen in globalen Lieferketten, die wachsende Bedeutung Nordafrikas und der Türkei für europäische Industrien sowie über die umfangreichen Investitionen von DACHSER in den Regionen. Wir haben ihm drei zentrale Fragen gestellt.
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Warum rücken Länder wie Marokko, Tunesien und die Türkei aktuell so stark in den Fokus europäischer Industrieunternehmen?
M’hamed Chraïbi: Globale Spannungen und daraus resultierende Unsicherheiten in internationalen Supply Chains haben die Erwartungen an Lieferketten grundlegend verändert. Unsere Kunden suchen heute vor allem Stabilität, Nähe zu ihren Absatzmärkten und kurze Reaktionszeiten. Genau hier setzt Nearshoring an – und hier liegen die Stärken des Maghreb sowie der Türkei. Marokko, Tunesien und die Türkei sind sehr nah an Europa, verbunden mit höchst wettbewerbsfähigen Produktionskosten. Gleichzeitig haben sich die Länder in den vergangenen Jahren stark industrialisiert – insbesondere in Branchen wie Automotive, Textil oder Elektronik. Für viele Unternehmen ist die Region damit zur strategischen Alternative zu weit entfernten Beschaffungsmärkten in Asien geworden.
Für viele Unternehmen ist die Region zur strategischen Alternative zu weit entfernten Beschaffungsmärkten in Asien geworden.
Was unterscheidet die einzelnen Länder der Region – und welche spezifischen Vorteile bringen sie mit?
M. Chraïbi: Die Türkei verfügt über die am stärksten diversifizierte Industrie der Region. Neben Automotive sowie der Textilbranche spielt hier auch die Lebensmittelindustrie eine wichtige Rolle. Ein großer Vorteil ist die direkte Straßenanbindung nach Europa, insbesondere Richtung Osteuropa und Deutschland. Tunesien ist seit vielen Jahren ein etablierter Produktionsstandort für europäische Industrien, vor allem im Automotive- und Textilbereich. Sehr wettbewerbsfähige Lohnkosten und hochspezialisierte Industrieparks machen das Land attraktiv. Marokko wiederum ist das afrikanische Land mit der größten Nähe zu Europa – nur 14 Kilometer trennen es von Spanien. Diese geografische Lage, kombiniert mit massiven Investitionen in Infrastruktur, Häfen, Flughäfen und Autobahnen, schafft enorme Vorteile für Lieferketten. Ein zentraler Baustein ist der Hafen Tanger Med, heute der größte Hafen im Mittelmeerraum und in Afrika.
Das komplette Interview mit Stefan Hohm hören Sie in der vierten Folge unseres englischsprachigen Podcasts Network Talk.
In den vergangenen Jahren haben wir gezielt daran gearbeitet, Marokko, Tunesien und die Türkei vollständig in unser europäisches Netzwerk zu integrieren.
Wie stellt DACHSER sicher, dass Kunden in der Region dieselbe Zuverlässigkeit und Servicequalität erhalten wie in Europa?
M’hamed Chraïbi: DACHSER ist seit über 40 Jahren in der Maghreb-Region aktiv. In den vergangenen Jahren haben wir gezielt daran gearbeitet, Marokko, Tunesien und die Türkei vollständig in unser europäisches Netzwerk zu integrieren. Ein entscheidender Schritt war die umfassende IT-Integration: Wir arbeiten heute mit denselben Systemen wie in Europa – das schafft Transparenz gegenüber unseren Kunden und durchgängige Prozesse entlang der gesamten Supply Chain. Gleichzeitig haben wir unsere Frequenzen massiv erhöht, mit täglichen Verbindungen zwischen Europa und den Regionen – in beide Richtungen.
Zentrale Gateways in Deutschland, Frankreich und Spanien bündeln die Warenströme und ermöglichen verlässliche Laufzeiten. Auch die Zollprozesse sind digital und finden vorgelagert statt, sodass wertvolle Zeit an den Grenzen eingespart wird. Ein weiterer Meilenstein ist unser neues Logistikzentrum in Tanger, das im Juni 2026 eröffnen wird: Auf 7,5 Hektar entsteht ein hochmoderner Standort mit 40.000 Quadratmetern Lagerfläche – das bisher größte Investment von DACHSER außerhalb Europas. Damit schaffen wir eine leistungsfähige Drehscheibe zwischen Europa, Nordafrika und perspektivisch auch Westafrika.
Mehr über die strategische Bedeutung des Maghreb und der Türkei sowie über die Pläne von DACHSER vor Ort erfahren Sie in der aktuellen Folge unseres Podcasts Network Talk. Die komplette Episode mit M’hamed Chraïbi finden Sie auf allen bekannten Podcast-Plattformen.






