Hand in Hand: Wie KI die Logistik unterstützt 

Der strategische Ansatz von DACHSER für den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Autor: Christian Weber I Lesezeit: 9 Minuten

02/09/2026

Künstliche Intelligenz ist in allen Lebens- und Arbeitsbereichen auf dem Vormarsch. In der Logistik ist sie schon lange angekommen. DACHSER geht sorgsam und verantwortungsbewusst mit der Technologie um. Dabei richtet sich der Blick über reine Effizienzgewinne hinaus, auf Service- und Leistungsverbesserungen für die Kunden. 

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Beim Thema Künstliche Intelligenz können unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden: Für die einen öffnet KI völlig neue Möglichkeitsräume, für die anderen direkt die Büchse der Pandora. „Die Perspektiven auf KI in der öffentlichen Wahrnehmung reichen von einem nützlichen Werkzeug bis hin zu einer Bedrohung, in der ganzen Bandbreite von optimistisch bis geradezu dystopisch“, stellte Sayandeb Banerjee, Mitbegründer & CEO von The Math Company, einem weltweit tätigen Unternehmen für Unternehmens-KI und Analytik, unlängst im Forbes Magazine fest. „Auch wenn die Dinge im wirklichen Leben weit weniger dramatisch sind, tun wir gut daran, uns regelmäßig diese Frage zu KI zu stellen, eine Frage, die wir uns bei allen menschlichen Innovationen stellen sollten: „Wie kann sie unser Leben einfacher und nachhaltig besser machen?“ 

Das Kennzeichen einer solchen guten KI-Lösung sei die Fähigkeit, auf sich ändernde Nutzerbedürfnisse zu reagieren. „Eine echte Verflechtung von Analytik mit dem Leben der Nutzer“, so der KI-Experte, mache Technologie langfristig „menschlicher und menschenzentrierter.“ 

Anders als bei der Einordnung, ob KI, wie sie Menschen im Alltag über ChatGPT, Gemini, Copilot oder Grok begegnet, überwiegend nützlich oder doch am Ende einfach nur sehr gefährlich ist, fällt die Bewertung ihrer Rolle im Logistikalltag von DACHSER eindeutiger und positiver aus: „Unter bestimmten Voraussetzungen ist KI heute bereits ein wichtiges Tool in der digitalen Datenverarbeitung und der Gestaltung komplexer, sicherer Lieferketten“, stellt Lars Relitz, Head of Corporate Digital Innovation and Development (CDID) bei DACHSER, fest. „Seit 2018 arbeiten wir bei DACHSER in verschiedenen Projekten mit künstlicher Intelligenz, Machine Learning und den dazugehörigen Large Language Modellen (LLMs) und haben unsere Fähigkeiten im Einsatz von KI im Bereich Innovationsentwicklung und Prototyping stetig ausgebaut.“ 

So seien schon vor über acht Jahren gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut IML aus Dortmund im DACHSER Enterprise Lab erste KI-Projekte gestartet worden, darunter beispielsweise Predictive Forecasting Modelle (PandaOne) oder wegweisende KI-gestützte Bilderkennungsverfahren zur Packstückerkennung und Prozessoptimierung im Umschlaglager. Mittlerweile wird das preisgekrönte @ILO „Future Terminal“ Schritt für Schritt im Europanetzwerk von DACHSER ausgerollt und auch in der Logistikbranche als „Game changer“ verstanden. 

Auch wegen solcher Erfahrungen wurde im vergangenen Jahr die Partnerschaft mit Wissenschaft und Forschung im DACHSER Enterprise Lab weiter ausgebaut. Mit dabei ist nun auch das Fraunhofer Institut für intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS. Die Forschungseinrichtung mit Sitz in Sankt Augustin bei Bonn gehört zu den führenden Institutionen für angewandte Forschung auf den Gebieten Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Generative KI in Deutschland und Europa. 

System was den Platz der Ware scannt
@ILO nutzt KI-gestützte Bilderkennungsverfahren zur Packstückerkennung.

Die KI-Strategie von Dachser 

„Es geht DACHSER bei der Einbindung von Künstlicher Intelligenz nicht allein darum, bei den Zukunftsthemen vorne dran zu sein, sondern diese auch innerhalb der Organisation möglichst umfassend nutzbar zu machen“, sagt Stefan Hohm, Chief Development Officer (CDO) bei DACHSER. Dazu hat DACHSER einen Handlungsrahmen entwickelt, um verschiedene Perspektiven der Nutzung von künstlicher Intelligenz im Unternehmen optimal bespielen zu können.  

Es geht DACHSER bei der Einbindung von Künstlicher Intelligenz nicht allein darum, bei den Zukunftsthemen vorne dran zu sein, sondern diese auch innerhalb der Organisation möglichst umfassend nutzbar zu machen.
Stefan Hohm, Chief Development Officer (CDO) bei DACHSER

Perspektive I: KI für den Arbeitsalltag 

Hier geht es um typische KI-Anwendungen im Logistikalltag von DACHSER. Eine wichtige Rolle spielt hier der „Copilot“ von Microsoft. Mit diesem lassen sich verschiedene Large Language Modelle (LLM) in einem gesicherten Datenraum nutzbar machen. Grundsätzlich kann jeder Mitarbeitende von DACHSER, der über einen Zugriff auf einen Microsoft Edge Browser verfügt, über den Copilot Daten im Internet recherchieren und durch die KI aufbereiten lassen. Der gesicherte Datenraum sorgt dafür, dass eingegebene Daten nicht von der KI gespeichert werden.  

Der Copilot von Microsoft ist zudem ein niederschwelliges KI-Tool, das Mitarbeitende beim Gliedern, Strukturieren, Texten und Zusammenfassen unterstützt. Eine erweiterte Microsoft-365-Lizenz bietet definierten Mitarbeitenden im gesamten DACHSER Netzwerk weitergehende KI-Möglichkeiten. Hier kann der Copilot dann auch auf interne Daten zugreifen und diese analysieren, etwa auf Sharepoint oder Outlook. 

Erfahrungen machen mit KI im Arbeitsalltag können alle DACHSER-Mitarbeitende mit dem DACHSER Chatbot im Intranet. Seit Oktober des vergangenen Jahres greift der digitale Assistent auf das immense interne Wissen zu und unterstützt bei Fragen und internen Recherchen. Viele Mitarbeitende möchten den Chatbot schon jetzt nicht mehr missen. Diese Lösung wurde vom DACHSER Competence Center Data Science & Machine Learning entwickelt. 

Perspektive II: Citizen Development 

Citizen Development ist ein Konzept, bei dem Mitarbeitende aus Fachabteilungen – ohne klassische IT-Ausbildung oder Programmierkenntnisse – mithilfe von sogenannten No-Code-Plattformen eigenständig Geschäftsanwendungen und Automatisierungen erstellen, zum Beispiel als kleine, hochfunktionale Apps. Die Citizen Developer bei DACHSER haben in Pilotprojekten mit Hilfe der No-Code-Plattform von smapOne selbst hunderte solcher kleinen, maßgeschneiderten Applikationen entwickelt. So konnten die Mitarbeitenden bereits verschiedene logistische Routineabläufe, etwa das Erstellen von Lkw-Checklisten und Lagerprotokollen, eigenständig verbessern. Medienbrüche, lange Übertragungszeiten oder Fehler durch manuelle Datenerfassung gehören mit solchen Apps der Vergangenheit an. 

Diesen No-Code-Ansatz will DACHSER künftig auch für KI-Anwendungen innerhalb der Copilot- und Automatisierungswelt nutzen. Mitarbeitende können mit entsprechenden Prompting-Techniken selbst kleine, smarte Assistenten entwickeln und mit anderen teilen, die sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Etwa wenn Gefahrgutblätter mit vielen, sehr fachlichen Details verglichen und auf die jeweiligen Neuerungen hin untersucht werden sollen. Oder wenn sich Mitarbeitende im Verkauf, die keine Muttersprachler sind, durch die KI bei der Formulierung von Mails im korrekten Wording in Deutsch oder Englisch unterstützen lassen. Solche Alltagsanwendungen werden von den Mitarbeitenden nicht nur als praktisch empfunden, sie erhöhen auch das Verständnis und die Akzeptanz im Umgang mit KI und deren Nutzungsmöglichkeiten. 

Perspektive III: Entwicklung der Dachser-Kernsysteme und Produktgruppen 

In den Kernsystemen – Domino, Mikado und Othello – sowie im EDI-Center und auf der DACHSER platform verbinden sich die physische und digitale Welt von DACHSER. „Hier steht DACHSER mit der KI-Integration noch am Anfang. Systeme, die das Netzwerk am Laufen halten, verlangen eine besondere Sorgfalt und Absicherung“, stellt Lars Relitz fest. Daher werde die Frage, wo in diesen essenziellen Bereichen KI-Einsatz sinnvoll und wo besondere Vorsicht angesagt ist, besonders ernst genommen. „Hier sind das Wissen und der Austausch mit den jeweiligen Product Ownern das Maß der Dinge bei der Entscheidung über eine sinnvolle KI-Integration.“ 

Programmierer sitzt vor PC
Künstliche Intelligenz kann im Arbeitsalltag vielseitige Unterstützung bieten.

Perspektive IV: Big Bets 

Was sind die großen Themenfelder rund um die Zukunft der Logistik? Wo sind die bestmöglichen Hebelwirkungen für mehr Effizienz in den administrativen und operativen Prozessen? Und wie können KI-Anwendungen Dienstleistungen und Kunden-Service verbessern, repetitive Prozesse effizient unterstützen, mit Kontext anreichern, um neue Wachstumspotenziale für DACHSER zu erschließen? 

Für eine verbesserte Prozessqualität und einen optimierten Customer Service rückt „Humanized AI“ den Menschen in den Mittelpunkt des KI-Einsatzes. Damit sich Mitarbeitende auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, bestmöglich informiert sind und verantwortungsvolle Entscheidungen treffen können, entlastet sie KI beispielsweise bei anfallenden „Fleißaufgaben“ wie sie bei der Dokumentation und Analyse von unzähligen kleinen Eventmeldungen anfallen, im Laufe des Tages liefert. Diese komplett erfassen und interpretieren kann vorgeschaltete KI deutlich besser, ungleich schneller und umfassender. Der Mensch wird so maßgeblich entlastet, ist bestmöglich informiert und die Lebens- und Arbeits- und Prozessqualität steigen gleichermaßen. 

Den Schlüssel dazu bildet „Agentic AI“. Diese fortschrittliche Form der künstlichen Intelligenz geht über das reine Generieren von Inhalten hinaus. Vielmehr sind eigens konfigurierte Agenten in der Lage, anfallende Aufgaben autonom zu definieren, Entscheidungen zu treffen und diese zielgerichtet auszuführen. „Im Gegensatz zu passiven KI-Modellen agieren diese Systeme selbstständig, nutzen Werkzeuge und passen sich an dynamische Umgebungen an, oft mit minimaler menschlicher Überwachung“, erklärt Andre Kranke, Head of Corporate Research & Development. Dies sei auch für DACHSER eines der großen Themen in diesem Jahr. 

Fazit: KI-Chancen erkennen und verantwortungsbewusst nutzen 

Was heißt all dies für den Einzug der Künstlichen Intelligenz in die reale Lebens- und Arbeitswelt der Logistik? Fest steht schon jetzt, dass KI in der Logistik völlig neue Möglichkeitshorizonte erschließt. In Europa setzt dabei der EU AI Act die rechtlichen Leitplanken. Das erste KI-Gesetz weltweit schreibt vor, dass KI-Anwendungen nicht missbraucht werden dürfen und der Schutz der Grundrechte gewährleistet bleibt. Rechtssicherheit in der KI-Anwendung zu haben, ist besonders für Unternehmen wichtig. Genauso wie die daraus folgende Unterscheidung unterschiedlicher KI-Arten: von der unbedenklichen bis zur verbotenen KI. Aus DACHSER-Sicht, so Andre Kranke, komme es darauf an, einen gesetzlichen Rahmen zu haben, der aber nicht zu bürokratisch sei, damit Weiterentwicklungen und Innovationen nicht ausgebremst oder sogar verhindert werden.  

Auf dem Weg dorthin ist DACHSER bestrebt, die Mitarbeitenden immer mitzunehmen. So gehörten KI-Entwicklung und Einbindung fest zum Innovationsrahmen des strategischen Schwerpunktprogramms Idea2net. Und das aus einem einfachen Grund: Nur wer KI richtig versteht, kann diese Technologie zielgerichtet nutzbar machen.  

Christian Weber

Redaktion DACHSER magazin

Christian Weber

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