Gamechanger für Nordeuropa: DACHSER und Frigoscandia wachsen zusammen

Wie DACHSER die Lebensmittellogistik im Norden neu aufstellt

Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 12 Minuten

22/09/2026

Wenn zwei starke Netzwerke zusammenwachsen, dann gehen die positiven Aspekte über das reine Addieren von Kapazitäten weit hinaus. Und so bedeutet die Übernahme von Frigoscandia im Jahr 2024 für die Lebensmittellogistik von DACHSER nicht weniger als den Start in eine neue Ära. Die Integration des führenden Anbieters von temperaturgeführter und Tiefkühllogistik auf dem nordischen Markt in das DACHSER Food Logistics Netzwerk schreitet aktuell rasch voran – zum Vorteil von Kunden in ganz Europa.

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21. Dezember 2023: Kurz vor Weihnachten geht die Nachricht über den Ticker: „DACHSER kauft Frigoscandia“. Der Erwerb des European Food Network-Partners für Schweden, Norwegen und Finnland markiert einen wichtigen Meilenstein für das europäische Lebensmittellogistik-Netzwerk von DACHSER.

Das Unternehmen war in der Region bis dahin für den Transport und die Lagerung von Industrie- und Konsumgütern, sowie mit Luft- und Seefrachtdienstleistungen bekannt. Die Business Unit DACHSER Food Logistics verfügte in den Nordics bislang nicht über eigene Strukturen. Das änderte sich mit der Übernahme von Frigoscandia schlagartig. Nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden startete im März 2024 die Integration in das Netzwerk von DACHSER. Seit Februar 2026 leitet Kristian Jönsson als Managing Director DACHSER Nordics aller drei Geschäftsbereiche der vier Landesgesellschaften in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland.

Ein Lkw von DACHSER Food Logistics und ein Frigoscandia-Lkw stehen vor einem Frigoscandia-Logistikgebäude.
DACHSER und Frigoscandia bündeln ihre Kompetenzen und wachsen zu einem gemeinsamen Netzwerk für Lebensmittellogistik in Nordeuropa zusammen.

Stärkung der Lebensmittellogistik in Europa

„Mit dem Zukauf erweitern wir unser eigenes Food-Logistics-Netz auf die nordischen Märkte Schweden, Norwegen und Finnland. Gleichzeitig stärken wir unsere Position unter den führenden Lebensmittellogistikern Europas“, sagte Alexander Tonn, COO Road Logistics von DACHSER, unmittelbar nach der Bestätigung der Übernahme durch die europäischen Wettbewerbsbehörden. Der Fokus des Familienunternehmens liege darauf, organisch und langfristig zu wachsen. Dennoch habe DACHSER sein weltweites Logistiknetzwerk immer wieder mit gezielten Zukäufen erweitert, wie aktuell in Nordeuropa.

Dass die Übernahme von Frigoscandia, des führenden Anbieters von temperaturgeführter und Tiefkühllogistik auf dem nordischen Markt, zu den größten Akquisitionen in der Firmengeschichte zählt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Bei einem Umsatzvolumen von rund 300 Millionen Euro beschäftigte Frigoscandia im Jahr 2022 rund 1.300 Mitarbeitende, vor allem im Kernmarkt Schweden. Damit bringt das Unternehmen mehr als doppelt so viele Beschäftigte in die Organisation ein, wie DACHSER damals insgesamt in den nordischen Ländern zählte. Darüber hinaus war der traditionsreiche, 1948 gegründete Lebensmittellogistiker eine feste Größe in Norwegen, Finnland, Dänemark und auch den Niederlanden. Und so kennt man sich in der Branche. Auch weil Frigoscandia schon seit 2019 Partner im European Food Network war, das unter der Systemführerschaft von DACHSER 34 Länder in Europa abdeckt. Das bis dato im Besitz eines Private-Equity-Investors befindliche Traditionsunternehmen Frigoscandia brachte ein beachtliches Setup mit: Ein eng geknüpftes und überaus leistungsfähiges Netzwerk für die Distribution von temperaturgeführten (plus 2 bis 7 Grad Celsius) und tiefgekühlten Lebensmitteln (unter minus 18 Grad Celsius), eine eigene Flotte von 235 Fahrzeugen, plus rund 200 Lkw von Transportunternehmen für umfassende nationale Transportdienstleistungen in Schweden, Warehousing mit elf für die Lagerung von Lebensmitteln ausgelegten Logistikanlagen in Schweden und drei in Norwegen sowie internationale Lebensmitteltransporte in 57 Länder über Straßen-, Luft- und Seetransporte.

Unsere Kunden in der Region und in ganz Europa profitieren von unserem leistungsfähigen Distributionsnetzwerk für Lebensmittel. Qualität und Zuverlässigkeit stehen immer an erster Stelle.
Alexander Tonn, COO Road Logistics bei DACHSER

Integration stärkt Food Logistics nachhaltig

Wenn nun aus zwei Größen der Lebensmittellogistik eine Organisation werden soll, muss an sehr vielen Schrauben gedreht werden. Das weiß auch Kristian Jönsson, der seit Anfang dieses Jahres DACHSER Nordics als Managing Director leitet und die Integration von Frigoscandia in die DACHSER Familie vorantreibt. Er kennt Frigoscandia, DACHSER und den nordischen Food-Logistics-Markt aus dem Effeff, die letzten vier Jahre aus seiner Führungsverantwortung bei dem schwedischen Lebensmittellogistiker.


„Gemeinsam mit DACHSER als global aufgestelltem Logistikdienstleister ergeben sich signifikante Wachstumsperspektiven für uns und unsere Kunden“, ist Jönsson überzeugt. Als Familienunternehmen stehe DACHSER für Stabilität und langfristige, strategisch geführte Planung. „Unter der Leitung des Investors gab es dieses langfristige Denken bei Frigoscandia vor der Übernahme durch DACHSER nicht in dieser Form. Die Integration ist daher für uns in den Nordics, aber auch auf dem europäischen Markt ein echter Gamechanger.“ DACHSER stehe hier als globales Unternehmen mit europäischen Wurzeln im Ruf, klare Prozesse, hohe Genauigkeit und Modernität zu vereinen. „Und genau das erwarten unsere Kunden: Verlässlichkeit, hocheffiziente Abläufe sowie tief digitalisierte, reibungslose Prozesse.“


Die Integration beschleunigt das internationale Wachstum von DACHSER. Für Alexander Tonn, COO Road Logistics, sind dabei die Richtung und das Ziel der Neuaufstellung in den Nordics klar abgesteckt: „Unsere Kunden in der Region und in ganz Europa profitieren von unserem leistungsfähigen Distributionsnetzwerk für Lebensmittel. Qualität und Zuverlässigkeit stehen immer an erster Stelle.“ Dafür stünden DACHSER und Frigoscandia. „Mit ihrer ausgewiesenen Expertise auf den nordischen Märkten sind die 1.300 Mitarbeitenden von Frigoscandia die Garanten für Kontinuität und neues Wachstum in der Region.“

Skandinavien und Finnland: Der Norden tickt logistisch anders


Die Integration einer großen Organisation, ihrer Systeme und Abläufe, die Ausrichtung auf eine Kultur des Miteinanders und des Austauschs sind keine Selbstläufer. „Die Märkte im Nordensind geprägt durch eine spezifische Supply Chain für Lebensmittel und unterscheiden sich dadurch zum Teil deutlich von denen in Zentral- und Südeuropa“, erklärt Jönsson. Trotz der überschaubaren Bevölkerungszahl von knapp 10,7 Millionen Menschen stelle Schweden den größten Verbrauchermarkt in den nordischen Ländern dar. Unter Hinzuziehung der Nachbarn Norwegen, Dänemark und Finnland wächst der Absatzmarkt auf fast 28 Millionen.


Insgesamt spielt die Lebensmittelindustrie heute eine zentrale Rolle in der Wirtschaft der nordischen Länder. Im Jahr 2024 verzeichnete allein der Lebensmittelmarkt in Schweden einen Umsatz von knapp 35 Milliarden Euro. Bis 2030 prognostiziert Statista ein Umsatzplus von fast 34 Prozent. Im Jahr 2022 war sie laut Dachverband „Food and Drink Europe“ der viertgrößte Arbeitgeber in Schweden mit etwa 4.335 Unternehmen und 56.900 Beschäftigten. Zu den wichtigsten Produktkategorien zählen Fleischerzeugnisse, gefolgt von Milchprodukten und Eiern sowie Süßwaren und Snacks.

Für die Logistik ist für Kristian Jönsson eine Besonderheit des Marktes maßgeblich mitentscheidend: „Die Bevölkerung ist im Norden weit verteilt, die Bevölkerungsdichte – mit Ausnahme Dänemarks – ist eher gering. In der Lebensmittellogistik heißt dies: Es gibt im Norden mehr Komplettladungen und weniger Stückgut – also ein ganz eigenes Geschäft.

Und eine jeweils eigene Kundenstruktur: In Mitteleuropa bestimmen zu einem großen Teil kleine und mittelständische Unternehmen den Kundenkreis, in Nordeuropa sind es eher große Kunden. Wie zum Beispiel ein skandinavischer Möbelhersteller, ein langjähriger Kunde von Frigoscandia. Das global aufgestellte Möbelhaus ist zugleich auch der größte Exporteur von Lebensmitteln in Schweden. Von hier aus werden im großen Stil die unternehmenseigene Systemgastronomie und die Schweden-Shops in den Einrichtungshäusern weltweit beliefert. Das Essens- und Getränkesortiment reicht von Köttbullar und Knäckebrot über Hot-Dogs und eingelegten Heringen bis zum Obstsmoothie und Blaubeersaft.

+34%

Der Lebensmittelmarkt in Schweden soll bis 2030 um rund ein Drittel wachsen.

Lkw von DACHSER Food Logistics und Frigoscandia fahren auf zwei Autobahnbrücken durch eine bewaldete Landschaft.
DACHSER und Frigoscandia verzahnen ihre Transportnetzwerke und stärken damit die Lebensmittellogistik in Nordeuropa.

Kompetenz in der europäischen Tiefkühllogistik

Die Lagerung von Tiefkühlgemüse ist seit der Gründung im Jahr 1948 ein zentraler Bestandteil des Geschäfts von Frigoscandia. Insbesondere der Gemüseanbau in der südschwedischen Region Skåne bildete damals das Fundament für das Geschäftsmodell von Frigoscandia, nämlich Lebensmittelherstellern integrierte Lager- und Transportlösungen für gekühlte und tiefgekühlte Produkte anzubieten.

Aufgrund der geografischen Lage stehen auch heute noch in Schweden, Norwegen und Finnland tiefgekühlte Lebensmittel hoch im Kurs – vor allem bei der Fisch- und Meeresfrüchte verarbeitenden Industrie in Norwegen oder in der Schweinefleischproduktion in Dänemark, von wo aus bis nach Asien exportiert wird. In Finnland werden auch Fleisch und Milchprodukte für den Export produziert, hier dominiert in der Handelsbilanz jedoch deutlich der Import. Umschlagzentren für den Im- und Export sind vor allem die schwedischen Ostseehäfen in Helsingborg und Göteborg. Hier starten dann die Lkw-Transporte zu den Handelspartnern in Schweden, Norwegen und Finnland.

Beim Transport tiefgekühlter Ware, erklärt Jönsson, bringe die Frigoscandia-Integration DACHSER Nordics einen langjährigen und umfassenden Wissens- und Erfahrungsvorsprung, der perspektivisch auch für das europäische Food-Netzwerk von DACHSER nutzbar gemacht werden könne. „Bis zu vier verschiedene Temperaturzonen in einem Lkw plus Anhänger zu haben, ist bei uns gelebte Praxis. Für den skandinavischen Möbelhersteller zum Beispiel fahren wir auf derselben Strecke Raumtemperatur-, Kühl- und Tiefkühlware. Das ist ein Know-how, das es so bisher im Food Logistics-Netzwerk von DACHSER nicht gab.“

-18°C

Tiefgekühlt und dennoch flexibel: Lebensmittel werden unter −18 °C transportiert – und gleichzeitig mit anderen Temperaturbereichen kombiniert. Bis zu vier Temperaturbereich sind pro Lkw möglich.

Zwei Frigoscandia-Mitarbeitende in Schutzkleidung stehen zwischen Hochregalen in einem Lebensmittellager.
Die Mitarbeitenden von Frigoscandia bringen ihre Erfahrung in der temperaturgeführten Lebensmittellogistik in das gemeinsame Netzwerk mit DACHSER ein.

Wissen teilen, gemeinsam stärker werden

Die schrittweise Integration von Frigoscandia in das DACHSER Netzwerk läuft derzeit weiter auf Hochtouren. Seit Anfang 2026 sind die norwegischen und finnischen Niederlassungen bereits vollständig integriert. Die Integration in Dänemark wird noch in diesem Jahr folgen. „Wir haben uns für 2026 und 2027 wichtige Meilensteine gesetzt und erhöhen bei der Integration weiter das Tempo. Dazu gehört auch die Einführung der DACHSER Kern-IT-Systeme in der Food Logistics in Schweden, damit wir alle nahtlos mit denselben Anwendungen zusammenarbeiten können“, erläutert Kristian Jönsson. Parallel dazu wurden Management und Organisationsstruktur in der nordischen Region vereinheitlicht. „Das ist wichtig, um Synergien in Vertrieb und Produktion zügig für die Kunden zu nutzen“, so Jönsson. Teil davon ist beispielsweise auch die Schaffung gemeinsamer Verkaufsteams bei DACHSER Nordics für einen effizienten Verkaufsprozess.

Auch der gegenseitige Erfahrungs- und Wissensaustausch steht bei DACHSER Nordics ganz oben auf der Agenda. „Die Mitarbeitenden an den Food-Standorten stehen vor der Aufgabe, eine neue Unternehmensidentität anzunehmen und die damit verbundenen Werte dann auch tatsächlich im Alltag zu leben“, berichtet Jönsson. „Wir befinden uns inmitten einer spannenden kulturellen Reise für alle Mitarbeitenden, in deren Mittelpunkt die Vermittlung der grundlegenden DACHSER-Werte und eines vorausschauenden Denkens und Arbeitens in Netzwerkzusammenhängen steht.“ Das ist nicht immer einfach, brauche Zeit, innere Überzeugung und vielseitige Kommunikationsformate. Ein Beispiel dafür sei der „Lunch Talk“. „In diesem Format werden den Mitarbeitenden in lockerer Gesprächsform strategische Themen erläutert, um so die DACHSER Welt besser kennen- und schätzen zu lernen“, erklärt Jönsson den Ansatz. Umgekehrt profitierten die rund 270 Mitarbeitenden der bestehenden DACHSER Landesorganisation in Schweden von den Erfahrungen der „Neuen“, indem sie jeweils einen „Best Buddy“ von Frigoscandia an die Seite bekommen. „So lernen sich die Teams besser kennen und können sich gegenseitig unterstützen.“

Gemeinsam mit DACHSER als global aufgestelltem Logistikdienstleister ergeben sich signifikante Wachstumsperspektiven für uns und unsere Kunden.
Kristian Jönsson, Managing Director DACHSER Nordics

Nachhaltige Lösungen für die Lebensmittelogistik

Dass bei DACHSER Nachhaltigkeit großgeschrieben wird, trifft in Nordeuropa auf fruchtbaren Boden. Laut einer aktuellen Studie des globalen Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Mordor Intelligence beschleunigen Anreize für emissionsfreie Fahrzeuge in skandinavischen Ländern die Flottenumstellung. So befreit Norwegen batterie-elektrische Schwerlastwagen von Straßenmautgebühren, Fährgebühren und Kaufsteuer, was „eine Gesamtbetriebskostenparität mit Diesel für kilometerintensive Stadtverbindungen ergibt“. Schweden erprobt zudem gerade Batteriewechseldepots entlang des E4-Korridors, der sich vom nordfinnischen Tornio bis nach Helsingborg an der Ostküste Schwedens erstreckt und als „E-Highway“ massiv mit Schnellladestationen ausgebaut wird und die Standzeiten der E-Lkw auf ein mit der Dieselbetankung vergleichbares Niveau minimiert.

„Wir haben Kunden, die bereits seit einem Jahr in allen Bereichen fossilfreie Transporte verlangen“, erklärt Jönsson. „Darüber hinaus müssen wir Kunden monatlich über den CO2-Ausstoß berichten und diesen dokumentieren. Wir leben hier also, womit DACHSER der Branche Impulse gibt.“ Derzeit hat Frigoscandia bereits elf E-Lkw im Einsatz.

Die Integration von Frigoscandia und die Neuaufstellung von DACHSER Nordics sieht Kristian Jönsson aktuell auf einem guten Weg: „Wir haben schon sehr viel erreicht, aber auch noch viel zu tun, damit aus zwei dann eins wird.“ Das passiere nicht von allein, sondern bedürfe der Überzeugung und Mitarbeit aller. Bei Management-Meetings habe er es sich zur Gewohnheit gemacht, mit „Lasst es uns tun“ abzuschließen. Die ganze Kraft bei DACHSER entfalte sich im „WIR“: „Das ist und bleibt der Unterschied, den wir für uns und unsere Kunden machen.“

Marcus Schick

Redaktion DACHSER magazin

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