Wiedervernässung von Hochmoorflächen: in Gummistiefeln zum Klimaschutz
Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 6 Minuten
06/05/2026
Gemeinsam mit myclimate und ZukunftMoor startet DACHSER ein langfristiges Klimaschutzprojekt in Niedersachsen. Durch Wiedervernässung und Torfmoosanbau wird ein natürlicher CO₂-Speicher reaktiviert – und zugleich ein neues Modell für nachhaltige Landwirtschaft geschaffen.
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Der kühle Morgen Ende März im norddeutschen Tiefland grüßt mit „Aprilwetter“. Der Himmel ist wolkenverhangen, der eisige Wind bringt Regenschauer. Zwischendurch lässt sich allerdings auch mal die Sonne blicken. Ein einziges Strahlen dagegen auf den Gesichtern der Menschen, die sich hier draußen versammelt haben. DACHSER und seine Partner, die gemeinnützige Stiftung myClimate und die ZukunftMoor Gnarrenburg GmbH haben nach Gnarrenburg, eine 9.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Rotenburg in Niedersachsen, eingeladen. Anlass ist ein „Spatenstich“ der ganz besonderen Art: das Corporate Citizen+ Projekt „Wiedervernässung Langenhausener Moor“.

Ein Arbeitseinsatz, der weit über den Tag hinausweist
Tatkräftige Mitarbeit steht auf der Agenda, doch ohne Gummistiefel geht hier nichts: Der Boden gibt schmatzend unter den Schritten nach, Wasser steht in flachen Senken. Wer hier anpackt, braucht die Bereitschaft, im Matsch zu stehen, und sollte sich geschickt bewegen, um nicht darin steckenzubleiben. Genau das tun an diesem Tag alle Anwesenden: Bernhard Simon, Chairman of the Supervisory Board von DACHSER, Mitglieder der Gesellschafterfamilie, sowie Burkhard Eling (CEO) und Stefan Hohm (CDO) als Vertreter des Vorstands. Dazu kommen Niederlassungsleiter und Azubis aus Bremen, Hamburg und Hannover, Vertreterinnen und Vertreter der Partner von myClimate und ZukunftMoor und schließlich Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs Corporate Sustainability, die das Projekt bei DACHSER koordinieren.
„Die Motivation und der Tatendrang gerade unserer jüngeren Kollegen und unserer Partner vor Ort ist beeindruckend. Wenn Generationen so Seite an Seite arbeiten, geht erkennbar etwas voran. Vor allem aber ist das Ausdruck einer Nachhaltigkeitskultur im Unternehmen, die weit über das Projekt hinausweist“, sagt DACHSER CEO Burkhard Eling, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Stefan Hohm sichtlich vergnügt bei der Aussaat von Torfmoos mit anpackt. Was hier beginnt, ist Teil eines langfristig angelegten Klimaschutzprojekts: die Wiedervernässung eines trockengelegten Moorgebiets in der Größe von knapp 12 Hektar, was ca. 16 Fußballfeldern oder der Fläche einer größeren DACHSER Niederlassung entspricht.
DACHSER, myclimate und das Kinderhilfswerk Terre des Hommes haben Ende 2023 eine langfristige Zusammenarbeit beschlossen, um weltweit neue Klimaschutzprojekte ins Leben zu rufen oder bestehende Initiativen auszubauen.
Wenn Generationen so Seite an Seite arbeiten, geht erkennbar etwas voran. Vor allem aber ist das Ausdruck einer Nachhaltigkeitskultur im Unternehmen, die weit über das Projekt hinausweist.
Ein unterschätzter Klimaschlüssel
Moore gehören zu den effektivsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. Obwohl sie nur rund drei Prozent der Landfläche weltweit bedecken, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Wird ein Moor entwässert, kehrt sich dieser Effekt allerdings um: Der über Jahrhunderte gebundene Kohlenstoff wird freigesetzt. Und zwar in gigantischen Dimensionen. Allein in Deutschland entstehen so rund sieben Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen. Laut dem von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen „Mooratlas“ verursacht die Nutzung entwässerter Moore für ertragsarme Landwirtschaft 25-mal so viel Treibhausgasemissionen wie der Inlandsflugverkehr in Deutschland.
Das Moor und seine Geschichte sind fester Bestandteil der Kultur vor Ort. Bereits im 18. Jahrhundert wurde es trockengelegt und wird im Wesentlichen als Grünland für Milchviehhaltung bewirtschaftet.
Auch das Langenhausener Moor war über Jahrzehnte trockengelegt worden – für landwirtschaftliche Nutzung mit vergleichsweise geringen Erträgen, die von Jahr zu Jahr weniger werden und letztlich versiegen. Die Folge: kontinuierliche Emissionen, die sich über lange Zeiträume summieren. Auf der Projektfläche, so Berechnungen von ZukunftMoor, werden aktuell mehr als 2.000 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr freigesetzt. Ohne Eingriff würde dieser Prozess noch über Jahrhunderte anhalten.
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der Erdoberfläche werden von Mooren bedeckt. Sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie die Biomasse alle Wälder zusammen.

Wasser zurück, Emissionen stoppen
Die Lösung ist so einfach wie wirkungsvoll: Das Wasser kehrt zurück. Drainagen werden zurückgebaut, der Wasserstand angehoben, die Fläche wiedervernässt. Damit wird der Zersetzungsprozess gestoppt – und das Moor kann seine ursprüngliche Funktion als Kohlenstoffspeicher wieder aufnehmen. Wiedervernässte Moore sind außerdem essenziell für mehr Biodiversität und den Aufbau einer nachhaltigen ländlichen Wertschöpfungskette
Das Projekt setzt dabei auf ein innovatives Konzept, das Klimaschutz und Nutzung verbindet: die sogenannte Paludikultur. Der Begriff stammt vom lateinischen „palus“ – „Sumpf“ und bezeichnet die Land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser oder wiedervernässter Moore. Konkret bedeutet das im Langenhausener Moor: Es wird Torfmoos (Sphagnum) angebaut – das als klimafreundlicher Ersatz für Torf in der Substratindustrie dient. So entsteht nicht nur eine effektive Kohlenstoffsenke, sondern eben auch eine wirtschaftliche Perspektive für die hiesigen Landwirte.
Nach der Renaturierung werden dort CO2e-Emissionen eingespart, die denen von 14 Millionen Kilometern Schwerlastverkehr entsprechen.
Neue Perspektiven für die Landwirtschaft
Damit entsteht ein Ansatz, der ökologische und ökonomische Interessen zusammenführt. „Torfmoos kann perspektivisch den Einsatz von klimaschädlichem Torf ersetzen – ein wichtiger Schritt angesichts des geplanten Torfausstiegs in der Europäischen Union bis 2030“, sagt Julia Kasper, Co-Founder und Geschäftsführerin von ZukunftMoor.
Stefan Hohm, der als Chief Development Officer (CDO) unter anderem die Bereiche Forschung & Entwicklung sowie Innovationsthemen bei DACHSER verantwortet, betont die Dimension des Projekts: „Nach der Renaturierung werden dort CO2e-Emissionen eingespart, die denen von 14 Millionen Kilometern Schwerlastverkehr entsprechen.“ Gemeinsam entstehe so ein Modell, das zeige, wie sich Klimaschutzprojekte skalieren und in bestehende wirtschaftliche Strukturen integrieren lassen.
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Tonnen CO2e werden auf der DACHSER Fläche im Langenhausener Moor durch Wiedervernässung reduziert.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Für DACHSER ist das Engagement im Langenhausener Moor Teil des Corporate-Citizen+-Programms – eines erweiterten Verständnisses von langfristigem, sozialem und klimabezogenem Engagement, das über das Kerngeschäft hinausgeht. “Wir wollen mit unserem Programm Corporate Citizen+ einen dauerhaften Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten, jenseits von Werbung und Zertifikaten”, sagt Bernhard Simon.
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Jahre Projektlaufzeit
Wir wollen mit unserem Programm Corporate Citizen+ einen dauerhaften Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten, jenseits von Werbung und Zertifikaten.
Das Projekt im Langenhausener Moor verbinde die Identität und Wurzeln von DACHSER in Deutschland mit diesem weltweiten Engagement für bessere Lebensbedingungen und Stabilität. Das Projekt stehe exemplarisch für eine neue Form der Landnutzung, die Klimaschutz, Ressourcenschonung und regionale Wertschöpfung miteinander verbinde. „Die Wiedervernässung eines Moores ist keine schnelle Lösung – aber eine nachhaltige Investition in die Zukunft. Die Laufzeit des Projekts von 50 Jahren unterstreicht diesen langfristigen Ansatz“, erklärt Simon. „Von dem, was wir heute auf den Weg gebracht haben, werden künftige Generationen profitieren.“






