Intelligent und nachhaltig: Logistikstandort der Zukunft

DACHSER hat in Unna ein neues, wegweisendes Logistikzentrum in Betrieb genommen.

Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 10 Minuten

13/05/2026

In Unna hat im Februar ein neues, wegweisendes Logistikzentrum seinen Betrieb aufgenommen. Der neue Standort setzt auf Zukunftsfähigkeit – mit klarem Fokus auf Automatisierung, E-Mobilität, Energieeffizienz und die Menschen, die Logistik mit Leben füllen.

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Dem Sauerländer wird gerne nachgesagt, er sei stur. Dabei will er tatsächlich einfach nur in Ruhe gelassen werden, andere in Ruhe lassen und schon gar nicht zu irgendetwas überreden. Eine solche Wesensart des Sauerländers will der heimische Literaturhistoriker Ulrich Raulff herausgefunden haben: Das sei „konservative Liberalität“ mit einem offenen Blick auf die Möglichkeiten der Zukunft. Jürgen Sobkowiak ist gebürtiger und bekennender Sauerländer. Und Logistiker mit Leib und Seele. Seit mehr 27 Jahren ist er im Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e.V. aktiv und seit über acht Jahren im Vorstand. Seit 2011 leitet er als General Manager das DACHSER Logistikzentrum Dortmund.

Der Dachser-Standort in Dortmund zählt seit langem mit seiner strategisch günstigen Lage im Herzen des breit aufgestellten Wirtschaftsraums Rhein-Ruhr zu den bedeutenden Knotenpunkten im europäischen Dachser-Netzwerk. Schon 1952 ging in Dortmund eine Außenstelle der Niederlassung Neuss an den Start, aus der 1974/75 die Niederlassung in Dortmund wurde. 25 Jahre später, im Jahr 2000, erfolgte der Umzug in die Huckarder Straße, den heutigen Standort. „Weil dort die Kapazität für das kontinuierlich gestiegene Sendungswachstum an ihre Grenzen stieß, erfolgte die Entscheidung für die „Zellteilung“. Im nahegelegenen Unna sollte eine neue, moderne Niederlassung ins Dachser-Netzwerk integriert werden“, bringt Sobkowiak die Geschichte auf den Punkt. Das freute ihn auch persönlich, war doch Unna für den Sauerländer während seiner speditionellen Ausbildung und den ersten Berufsjahren zur „Wahlheimat“ geworden.

Entscheidungen für das Netzwerk

Dachser hatte bei der Konzipierung und dem Bau der neuen Niederlassung in Unna die Zukunftsfähigkeit nicht nur des Standorts, sondern auch des Netzwerks im Blick. „Unser Fokus liegt darauf, das Stückgutnetz weiter zu verdichten und Kapazitäten zukunftssicher auszubauen“, erklärt Alexander Tonn, COO Road Logistics von DACHSER. „Automatisierung, E-Mobilität und Energieeffizienz sind drei tragende Säulen für die DACHSER Niederlassung der Zukunft. Diese bündelt zentrale Technologien, ist nachhaltig und stärkt unser Netzwerk operativ und strategisch.“

In Unna, rund 25 Kilometer östlich von Dortmund, wurde dieser für das europäische Dachser-Netzwerk richtungsweisende Ansatz unter Federführung des Bereichs Corporate Real Estate des Dachser Head Office umgesetzt. „Nicht als Showcase“, wie Alexander Tonn betont. „Hier setzen wir konzentriert um, was heute operativ-praktisch möglich ist, Sinn macht und sich dann auch rechnet“: ein 9.400 Quadratmeter großes Umschlagterminal mit 94 Toren, ein Multi User Warehouse mit 10.800 Quadratmetern Fläche und 22.000 Palettenstellplätzen sowie ein 3.500 Quadratmeter großes Bürogebäude. Errichtet im Brownfield-Ansatz, bei dem eine Fläche im Industriepark genutzt wird, die bereits zuvor bebaut war. Dabei wurde das Rückbaumaterial zu etwa 96 Prozent der direkten Wiederverwendung zugeführt, der größte Teil davon qualitätsüberwacht direkt auf dem Baufeld wieder eingebaut.

Mit einem Investitionsvolumen von 44 Millionen Euro zählt der neue, im Februar dieses Jahres endgültig in Betrieb gegangene Standort zu den größten Einzelinvestitionen in das Landverkehrsnetz von DACHSER. Beim Bau und der Netzwerkintegration nahm Jürgen Sobkowiak als sehr erfahrener Niederlassungsleiter eine Schlüsselrolle ein. Und das nicht nur wegen seiner speditionellen Expertise, sondern auch wegen seiner Offenheit für E-Mobilität und Zukunftstechnologien, die er als „Unternehmer im Unternehmen“ mit einem klaren Blick auf die Wirtschaftlichkeit und die Herausforderungen der Logistik zu verbinden versteht.

44 Mio.

Euro wurden in die neue Logistikanlage in Unna investiert.

Die baulichen Anforderungen – zum Beispiel im Zusammenhang mit der E-Mobilität – ergeben sich aus der übergeordneten Strategie und den betrieblichen Abläufen von DACHSER. Foto: Helmut Bauer  
Unsere Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und unsere strategische Herangehensweise sind und bleiben relevante Verkaufsargumente im Markt.
Burkhard Eling, DACHSER CEO

Ein „Heimspiel“ als Standortvorteil

Wenn Sobkowiak von der neuen Niederlassung spricht, schwingt bei ihm immer eine tiefsitzende Begeisterung für die Logistik und die Überzeugung von deren Zukunftsfähigkeit mit. Für das Überspringen dieses Funkens auf sein Team, das weiß Sobkowiak, kämen ihm sein „Heimvorteil“ in Dortmund und Unna entgegen. Es habe sich am Logistikstandort Unna und Umgebung bei Fachkräften wie bei Kunden längst rumgesprochen: „Wir können mit den Leuten bei Dachser.“

Aber das ist nicht alles. Beim Neubau stellte sich vielmehr auch die Frage: Was macht die Dachser-Niederlassung der Zukunft aus? Auch wenn dies im öffentlichen Diskurs zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt ist: Nachhaltigkeit spielt als Entscheidungskriterium bei Dachser weiterhin eine wichtige Rolle – trotz des gestiegenen Kostendrucks. „Große Unternehmen unter unseren Kunden haben aufgrund eigener Nachhaltigkeitsziele eine klare Erwartungshaltung und verlangen von ihrem Logistikdienstleister ein klares Bekenntnis zu nachhaltigem und verantwortlichem Handeln. Da ist eine Voraussetzung, um bei Ausschreibungen überhaupt berücksichtigt zu werden“, weiß Dachser CEO Burkhard Eling. Die Klimaschutzstrategie des Unternehmens orientiere sich dementsprechend entlang den Handlungsfelder Prozess- und Energieeffizienz, Forschung- und Entwicklung sowie Corporate Citizen+, dem Engagement über das Kerngeschäft hinaus. „Bei allem was wir tun ist wichtig, stets die individuellen Anforderungen des Kunden zu verstehen, beim Klimaschutz genauso wie bei der Servicequalität, um dann die passende Lösung anzubieten,“ ergänzt Eling.

Automatisierung, E-Mobilität und Energieeffizienz sind drei tragende Säulen für die DACHSER Niederlassung der Zukunft.
Alexander Tonn, COO Road Logistics bei DACHSER

Fokus auf Effizienz in den operativen Kernprozessen

Auf dieser Grundlage betreibe DACHSER sein integriertes Netz von Standorten in ganz Europa mit einheitlichen Qualitätsstandards, flächendeckenden Beschaffungs- und Distributionsnetzwerken sowie standardisiertem Equipment. „Dieses Konzept der ‚Industrialisierung der Abwicklung‘ ermöglicht es uns, die Auslastung und Produktivität in allen Ländern systematisch zu erhöhen. Denn die größten Hebel zur Steigerung der Produktivität liegen in den operativen Kernprozessen, die etwa 85 Prozent der Kosten im Stückgutgeschäft ausmachen“, erklärt Alexander Tonn.

Daraus ergebe sich zugleich ein eigener hoher Anspruch an die bauliche und prozessuale Infrastruktur einer Niederlassung. Im Bereich Corporate Real Estate im Kemptner Head Office nehmen die Dachser-Expertinnen und -Experten dazu neueste Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung auf und verbinden diese mit jahrzehntelanger Erfahrung im Niederlassungsdesign.

Die baulichen Anforderungen, zum Beispiel in Bezug auf E-Mobilität, ergeben sich aus der übergeordneten Dachser-Strategie und operativen Prozessen. So setzt das Unternehmen im Zuge seiner Anstrengungen zum Klimaschutz aktuell in seinem europäischen Netzwerk rund 190 batterieelektrische Lkw ein. „Die Mehrheit der E-Lkw ist im Nahverkehr unterwegs, allen voran in unseren DACHSER Emission-Free Delivery-Gebieten in 25 europäischen Metropolen“, erklärt Alexander Tonn. Mittlerweile steige auch die Anzahl der E-Lkw im Fernverkehr schnell an. Schwerpunktmäßig wurden diese zuletzt umfangreiche an den drei E-Mobility-Sites von Dachser in Freiburg, Hamburg und Malsch bei Karlsruhe getestet.

„Die Niederlassung in Unna ist für uns ein Leuchtturmprojekt“, ergänzt CEO Burkhard Eling. „Wir nutzen modernste Technologien und KI-basierte Systeme, während wir zugleich die Infrastruktur für Elektromobilität weiter ausbauen. Damit setzen wir Standards für Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit.“

Begrünung auf Dach eines Warehouses in Unna mit einem anderen Warehouse im Hintergrund
Dachbegrünung soll die Artenvielfalt födern und das Mikroklima im Inneren der Halle verbessern. Foto: Helmut Bauer

Bauen nach Maß

Auf dem Weg dorthin waren beim Bau allerdings auch einige Hürden zu nehmen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Automobilzulieferungslagers sorgte die Topographie mit einem 6,5-Meter-Höhenversatz sowie Lärmschutzvorgaben dafür, dass die Planungsphase besonders herausfordernd war und individuelle Lösungen entwickelt werden mussten. So führt beispielsweise die Zufahrt zum Transit Terminal unter dem Bürogebäude durch. „Und dann waren da noch die vor allem nach der COVID-19-Pandemie sprunghaft in die Höhe geschossenen Baupreise. Da wird jede auch noch so kleine bauliche Entscheidung doppelt kritisch in den Blick genommen“, berichtet Sobkowiak. „Aber wir haben mit unseren Baupartnern gut gewirtschaftet und immer lösungsorientiert zusammengearbeitet, auch wenn das am Ende etwas länger gedauert hatte als ursprünglich geplant.“

Viele technische und bauliche Innovationen, wie Heiz-, Kühl- und Regeltechnik, bleiben im Verborgenen, andere hingegen sind deutlich sichtbar. Zum Beispiel die Dachbegrünung auf der Umschlaghalle und dem Bürogebäude mit ihren „natürlichen“ Kühlungs- und Klimatisierungseffekten nach innen und dem ebenso „natürlichen“ Mehrwert für die Biodiversität nach draußen. Oder die erstmals bei Dachser verbauten Unterkonstruktions-Dachbinder aus Holz.

Auf dem Multi User Warehouse sind Fotovoltaik-Module mit 1.000 KWp Leistung verbaut, die zur 100-Prozent-Grünstrom-Versorgung im Dachser-Netzwerk beitragen. Berücksichtigt wurden zudem Lademöglichkeiten für Pkw und Lkw. Neben zwölf Ladestationen für Pkw mit der Option zur Erweiterung auf 50 weitere Ladepunkte werden derzeit mehrere Ladepunkte für E-Lkw fertiggestellt: Fünf sind für schnelles Laden mit bis zu 400 kW vorgesehen, „Demnächst werden wir in Unna auch die erste Megawatt-Ladestation bei Dachser in Betrieb“, sagt Jürgen Sobkowiak. Möglich werde dies, weil die Stadtwerke Unna das Niederlassungsgelände mit einer Anschlussleistung von 3,9 Megawatt versorgt.

Luft-Luft-Wärmepumpen sorgen innen für eine nahezu emissionsfreie Beheizung und Kühlung der Büro-, Warehouse- und Umschlagflächen. Statt von Heizkörpern an den Wänden und von Fußbodenheizungen kommt die Wärme von oben, von beheizbaren Facettendecken. Diese können dank großflächiger Verlegung bereits mit einer sehr geringen Vorlauftemperatur effizient wärmen.  

Blick auf das Warehouse mit PV-Anlage. Foto: Helmut Bauer

Mit dem digitalen Zwilling zu mehr Effizienz im Umschlag

„Auch mit Blick auf Digitalisierung ist unser neues Logistikzentrum innovativ und zukunftsfähig aufgestellt“, sagt Jürgen Sobkowiak und zeigt auf die mit optischen Scaneinheiten bestückte Hallendecke. Die aufwändige technische Ausstattung ist essenzieller Bestandteil des digitalen Zwillings @ILO im Umschlagterminal. Die in Deutschland und vor kurzem auch gesamteuropäisch preisgekrönte Technologie ermöglicht es, Packstücke im Terminal beim Eintritt, Aufenthalt und Verlassen vollautomatisch zu identifizieren, lokalisieren, vermessen und im Transportmanagementsystem zu erfassen. „Eine Innovation, mit der Dachser Geschichte schreibt“, sagt Jürgen Sobkowiak. „Wir zählen zu den ersten Niederlassungen im Dachser-Netzwerk, die beim Ausrollen dieser richtungsweisenden Technologie zum Zuge kamen. Dies beschleunigt die Prozesse und sorgt für mehr Transparenz im Stückgut-Terminal.“

Gegenüber vom Umschlaglager werden in Zukunft im Warehouse autonome Transportfahrzeuge (AMR) zum Einsatz kommen. Diese Roboter navigieren durch die Gassen und übernehmen wiederkehrende Aufgaben wie das ebenerdige Ein- und Auslagern von Paletten und entlasten so die Mitarbeitenden. Diese haben dann mehr Zeit und Freiraum für verschiedene anfallende zusätzliche Dienstleistungen wie zum Beispiel das Packen von Sortimentkartons oder Aktionspackungen, Etikettierung, Spezialverpackungen, Montagen oder den Displaybau.

Unsere Mitarbeitenden sind und bleiben unser größter Schatz.
Jürgen Sobkowiak, General Manager, DACHSER Dortmund

Logistik von Menschen für Menschen

Für Jürgen Sobkowiak sind die Qualität und die Sicherheit von Tätigkeiten im Logistikarbeitsalltag entscheidend für den Erfolg einer Niederlassung und der damit verbundenen Netzwerkeffekte. „Unsere Mitarbeitenden sind und bleiben unser größter Schatz“, sagt der Niederlassungsleiter. Das spiegele auch in Unna ganz klar wider. „Es ist einfach schön zu sehen, wie hier ein besonderes, hochfunktionales Logistikzentrum entstanden ist, das wie Mitarbeitende wie Kunden einlädt, zusammen Großes zu bewegen.“

Aber ehe er noch euphorisch wird, winkt der Sauerländer auch schon ab. Er will und muss niemanden in Richtung Innovationsbegeisterung bekehren. „Das Logistikzentrum Unna spricht für sich“, sagt er. Die operative Leitung der Niederlassung hat er im Februar an Steffen Strüver übergeben, ein erfahrener und vielfach bewährter Logistiker aus den eigenen Dortmunder Dachser-Reihen, bodenständig und zupackend ganz nach westfälischer Wesensart. Aber das ist jetzt eine neue Geschichte, die an einem anderen Tag erzählt werden soll.

Marcus Schick

Redaktion DACHSER magazin

Marcus Schick

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