Per Elektro-Lkw über den Brenner: DACHSER elektrifiziert Alpenroute
Autor: Matthias Rathmann I Lesezeit: 6 Minuten
25/06/2026
Seit 1. April setzt DACHSER auf der Brennerroute zwischen Bozen und München einen Elektro-Lkw ein. Der Plattform-Verkehr über die Alpen ist damit emissionsfrei unterwegs und markiert einen weiteren Schritt auf dem Weg zur nachhaltigeren Logistik.
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Rund 2,5 Millionen Lkw-Fahrten pro Jahr machen die Brennerroute durch Tirol zu einem der wichtigsten und meistbefahrenen Güterverkehrskorridore Europas. Ob Fliesen oder Feinkost, Kaufmannsgüter oder Kartoffeln – eine Vielzahl an Produkten passiert täglich die Alpen mit dem Lkw. Auch für DACHSER ist die Brennerroute eine Schlüsselverbindung in Europa. Etwa 70 Lkw-Linien sind zwischen Norditalien und Süddeutschland täglich unterwegs. Allein für das Logistikzentrum München sind 18 Wechselbrückenfahrzeuge im Rundlauf im Einsatz.
DACHSER München ist die treibende Kraft des Elektrifizierungsprojekts. Wir freuen uns, dass das Beispiel Schule macht und weitere DACHSER Häuser den Einsatz von Elektro-Lkw über die Alpen vorantreiben.
DACHSER setzt auf E-Lkw am Brenner
Schaut man sich den Antrieb der Fahrzeuge an, dominiert der Verbrenner. Doch das könnte sich ändern. Seit 1. April hat DACHSER auf der Linie München-Bozen einen Elektro-Lkw im Einsatz – ein weiterer Schritt auf dem Weg zum emissionsfreien Transport auch auf der Langstrecke. Obgleich die Antriebsart wechselte, gab es doch eine Konstante: den Fahrer. Er fährt die Linie seit knapp zwei Jahrzehnten und profitiert nun vom hohen Komfort des E-Trucks, einem Mercedes-Benz eActros 600. Dazu zählen die E-Fahrzeug-spezifische Ruhe an Bord des Trucks oder das hohe Drehmoment gleich vom Start an.
Und nicht nur der Fahrer profitiert: Gerade im alpenquerenden Verkehr kann der Null-Emissions-Lkw weitere Vorteile ausspielen. Sensible Landschaftsräume und lärmgeplagte Anwohner werden vor Schadstoffemissionen geschützt. Zudem dürfen Logistikdienstleister mit E-Lkw auch nachts fahren. Das entzerrt die Verkehre und bringt mehr Flexibilität bei der Organisation des Netzwerks und der Disposition. Österreich belohnt den Einsatz von Elektro-Lkw mit einer niedrigeren Maut, was das Ganze auch wirtschaftlich interessant macht. In Deutschland fahren Elektro-Lkw bis 2031 sogar komplett mautfrei.
Der Einsatz von Elektro-Lkw entwickelt sich rasant – vom Pilotprojekt hin zur praxistauglichen Lösung im Alltag.
E-Lkw im Alpentransit: Simulationen und Praxis
Die erste Zwischenbilanz mit dem E-Truck über die Alpen im Pendelverkehr zwischen Deutschland und Italien fällt durchweg positiv aus: „Vom ersten Tag an läuft die Linie vollkommen reibungslos“, berichtet Tobias Eß, Outbound Manager im Export Western Europe in der Niederlassung München. DACHSER habe den Einsatz sorgfältig vorbereitet und mit entsprechenden Tools der Fahrzeughersteller simuliert. Dabei wurden sowohl die anspruchsvollen topografischen Voraussetzungen als auch der Ladebedarf der Batterien berücksichtigt. Das Ergebnis: „Hin und zurück in einem Zug funktioniert nicht, aber mit Zwischenladen stand dem Projekt nichts im Wege“, erläutert Tobias Eß. Es zeigt sich im Gegenteil, dass die Berg- und Talfahrt dem Elektro-Lkw sogar in die Karten spielt, weil er auf langen Gefällstrecken wieder Energie zurückgewinnen kann.
Das Zwischenladen erfolgt nicht etwa unterwegs, sondern bei der Ankunft bei DACHSER in München. Somit kann die Linie den Fahrplan exakt einhalten, der zuvor für das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor galt. 4 bis 4,5 Stunden benötigt der Elektro-Lkw jeweils für eine der rund 300 Kilometer langen Strecken zwischen den Hauptstädten Bayern und Südtirols. Gegen 22 Uhr und mit einem Akkufüllstand von etwa 40 Prozent kommt das Fahrzeug in München an. Damit bleibt reichlich Zeit, um die Batterien zu laden, ehe der Gliederzug das Depot zwischen 2:30 und 3 Uhr morgens wieder verlässt. „Vor Ort stehen uns drei Schnellladesäulen mit jeweils 180 kW Leistung zur Verfügung“, erläutert Ingo Zimmermann, Branch Manager European Logistics bei der Niederlassung München. Um die Akkus von 40 auf 70 Prozent zu füllen, reicht ein zweistündiger Ladestopp. Der eActros 600 hat drei LFP-Batteriepakete mit insgesamt 621 kWh an Bord, womit sich Reichweiten von 500 Kilometern am Stück realisieren lassen.
621
kWh Kapazität bieten die drei Lithium-Eisenphosphat-Batteriepakete im eActros600 von Mercedes-Benz. Damit sind Reichweiten von 500 Kilometer (und teilweise mehr) mit einer Batterieladung machbar.
24-Stunden-Service Bayern-Südtirol
Bricht der Truck wieder Richtung Italien auf, nimmt er nicht nur Sendungen von München, sondern auch aus anderen bayerischen DACHSER Häusern mit. Die entsprechenden Linien treffen kurz vorher in München ein, so dass Stückgut zum Beispiel aus Nürnberg noch auf den Truck nach Bozen „umsteigen“ kann und somit auch zwischen Franken und Südtirol ein 24-Stunden-Service machbar ist. Bereichsleiter Jens Lengefeld freut sich über den Feuereifer, den seine Münchner Kollegen für den ersten elektrischen Plattformverkehr nach Italien an den Tag legen. „Sie sind die treibende Kraft des Elektrifizierungsprojekts“, lobt der Head of Hub & Traffic Organization bei Dachser.

Weitere E-Lkw-Linie in Betrieb
Das Beispiel machte bereits Schule: Im Mai startete die Relation vom schweizerischen Regensdorf bei Zürich nach Mailand ins Elektro-Zeitalter. Weiterhin wurde auf der Linie Gersthofen–Verona der Teilabschnitt zwischen Gersthofen und Sterzing auf Elektro-Lkw umgestellt, der Teilabschnitt nach Verona folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Weitere Linien sind in Planung. „Wir haben schon noch einige Pfeile im Köcher“, berichtet Sebastian Schmid, Team Leader Eurohubs & Traffic Organization. Es gebe einige weitere Linien, die grundsätzlich auch für Elektro-Lkw infrage kämen.
Können DACHSER Kunden heute schon ihre Ware per Elektro-Lkw nach Italien befördern lassen, wird bereits an einer weiteren neuen Transport-Option gearbeitet: Im ersten Quartal 2027 soll das neue Kombi-Terminal auf dem Gelände des GVZ Augsburg-Gersthofen in Betrieb gehen. „Die Planungen laufen, mit Inbetriebnahme des Terminals Ladeeinheiten nach Verona auch über die Schiene abzuwickeln“, erläutert Jens Lengefeld. Er kann sich vorstellen, auf einem Zug von Kombiverkehr zunächst mit zwei Ladeeinheiten nach Verona zu starten. „Perspektivisch können auch Sendungen nach Bergamo und Brescia auf der Schiene verladen werden“, ergänzt Lengefeld. Der Transport per Bahn sei eine weitere Möglichkeit, um Kunden Angebote abseits von Transporten mit Diesel-Lkw zu machen und um gleichzeitig das Nadelöhr Brenner auf der Straße zu umgehen.
Vom ersten Tag an läuft die Linie vollkommen reibungslos.
Stückgut auf der Schiene – was Kombiverkehr zum Start plant
Auch beim Intermodal-Spezialisten Kombiverkehr laufen die Planungen mit Blick auf neue Verkehre von und nach Augsburg auf Hochtouren. „Wir beabsichtigen, Transportleistungen auf den Relationen Augsburg–Norddeutschland und Augsburg–Norditalien (Region Venetien) anzubieten und sind in die Trassenplanung und Realisierung eingestiegen“, erläutert Arbi Tonians, Prokurist und Leiter Südeuropa im Bereich Vertrieb bei der Kombiverkehr GmbH & Co. KG. „Gemeinsam mit DACHSER wurde bereits über eine mögliche Verkehrsaufnahme auf dem Korridor Deutschland–Italien gesprochen“, ergänzt er. Mithilfe von Schnelltrassen wolle man die Anforderung des Unternehmens an besonders zeitkritische Ladungen erfüllen. Denn, ob Fliesen oder Feinkost, ob Kaufmannsgüter oder Kartoffeln – es gibt neue Wege über die Alpen.






