E-Mobilität: der lange Weg zu Netto-Null-Emissionen
Autor: Marcus Schick I Lesezeit: 3 Minuten
16/04/2026
Seit 2022 hat DACHSER in drei E-Mobility-Sites unterschiedliche Aspekte der E-Mobilität in der Logistik erforscht. Wie geht es mit dem Projekt weiter? Nachgefragt bei Stefan Hohm, Chief Development Officer bei DACHSER.
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Herr Hohm, mit DACHSER Emission-Free Delivery bringt DACHSER seit 2018 einige Erfahrung mit der E-Mobilität mit. Was sollte darüber hinaus das Forschungsprojekt der E-Mobility-Sites bringen?
Es ging um die Erforschung neuer E-Antriebskonzepte im Transportsektor. Gestartet sind wir mit der ersten Generation kleinerer E-Lkw für den Verteilerverkehr. Nach und nach kamen dann weitere batterieelektrische Fahrzeuge hinzu, die Akkus und auch die Reichweiten wurden größer – und die Technik zuverlässiger. Hinzu kam der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig stieg der Strombedarf der Niederlassungen deutlich, was den Ausbau von Netzanschlüssen und Transformatoren erforderlich machte – ein Prozess mit langen Planungs-, Genehmigungs- und Lieferzeiten und vielen beteiligten Netzbetreibern. Lastmanagement, oder auch die Einbindung von Batteriespeichern sowie die optimale Positionierung der Ladepunkte auf dem Gelände – all das sind viele Einzelthemen, die teilweise sehr komplex sind. Hier setzten die E-Mobility Sites an.
Was waren unerwartete Herausforderungen oder Erkenntnisse, mit denen vor Projektstart keiner gerechnet hatte?
Aus heutiger Sicht überrascht rückblickend, dass sich der batterieelektrische Antrieb im Fernverkehr schneller durchgesetzt hat als erwartet. Anfangs gingen wir bei DACHSER eher davon aus, dass Wasserstoff im Fernverkehr eine zentrale Rolle spielen würde; inzwischen zeigt sich, dass moderne E-Lkw mit Reichweiten von bis zu 500 Kilometern große Teile der Systemverkehre abdecken können.
Lastmanagement, oder auch die Einbindung von Batteriespeichern sowie die optimale Positionierung der Ladepunkte auf dem Gelände – all das sind viele Einzelthemen, die teilweise sehr komplex sind.
Welche Erkenntnisse konnten Sie hinsichtlich der Ladeinfrastruktur gewinnen?
Das Projekt hat klar gezeigt, wie anspruchsvoll der Ausbau der Strominfrastruktur ist: lange Lieferzeiten für Trafos, komplexe Abstimmungen mit rund 800 Netzbetreibern in Deutschland, die Notwendigkeit langfristiger Planungshorizonte und eine professionelle Notfallplanung für Ladeausfälle. Auch Themen wie standardisierte Abrechnung von Ladevorgängen für Unternehmer oder die Einbindung von Batteriespeichern erwiesen sich als deutlich komplexer als zunächst angenommen.
In drei ausgewiesenen E-Mobility-Sites hat DACHSER über drei Jahre nicht-fossile Antriebstechnologien und deren Anforderungen an die Ladeinfrastruktur erforscht. Ein neuer Ladepark bei DACHSER in Hamburg ist ein weiteres wegweisendes Zukunftsprojekt.
Das E-Mobility-Sites-Projekt hat klar gezeigt, wie anspruchsvoll der Ausbau der Strominfrastruktur ist.
Wie fließen die Lehren und Erfahrungen nun in den Logistikalltag bei DACHSER ein?
Nun geht es darum, die an den drei Forschungsstandorten gewonnene Erfahrung zu skalieren und die Transformation hin zu nicht-fossilen Antrieben im gesamten Road Logistics Netzwerk wirtschaftlich tragfähig und einem Plan folgend weiterzutreiben. Damit diese Entwicklung konsequent vorankommt, braucht es jedoch klare Rahmenbedingungen: planbare und investitionssichere politische Vorgaben, die den wirtschaftlichen Einsatz von E-Lkw unterstützen; einen schnellen und flächendeckenden Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur an Autobahnen; ausreichend Netzkapazitäten und schnellere Netzausbauten an Logistikstandorten sowie weniger Bürokratie bei Genehmigungen.






